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Erich Fikentscher wurde am 12. März 1891 in Nürnberg geboren und wuchs in Augsburg auf. Er starb am 22. Januar 1983.

Eintritt in die Kaiserliche Marine im April 1910.

Allgemeines (vor dem 18. November 1912)
Infanteristische Grundausbildung, Marineschule Kiel (1. April 1910 bis 11. Mai 1910)
Praktische Bordausbildung auf dem Schulschiff SMS HERTHA (12. Mai 1910 bis 31. März 1911)
- mit den Crewkameraden v. Guerard, Dönitz und Niemöller
- LI: M.Ob.Ing. Heinrich Böhlk, NO: Kaptl. Wilfried v. Loewenfeld

Marineschule Flensburg-Mürwik (1. April 1911 bis 31. März 1912)
Spezielle Kurse (1. April 1912 bis 30. September 1912)
- Infanteriekurs beim I. oder II. Seebataillon (1. April 1912 bis 30. April 1912)
- Torpedoschulschiff SMS WÜRTTEMBERG, Flensburg-Mürwik (1. Mai 1912 bis 30. Juni 1912)
- Artillerieschule Sonderburg (1. Juli 1912 bis 30. September 1912)

Nach Ostasien kommandiert - mit NDL-Dampfer PRINZESS ALICE von Genua nach Shanghai (17. Oktober 1912 bis 18. November 1912)

Auf der EMDEN
Erich Fikentscher kam am 18. November 1912 in Shanghai als Fähnrich zur See auf den Kleinen Kreuzer SMS EMDEN. Er machte diverse Repräsentationsfahrten nach China, Japan sowie zu den deutschen Kolonien im pazifischen Raum mit. Er war auch mit dabei, als die EMDEN im August 1913 bei den Unruhen in China auf dem Fluss Jangtsekiang eingreifen musste. Kurz darauf erfolgte seine Beförderung zum Leutnant zur See. Bei den Gefechtsübungen war Fikentscher u.a. als zweiter Minenoffizier und als Zugführer bei Landungsunternehmen tätig. Als Sportoffizier der EMDEN führte er die Teilnehmer des Schiffes bei diversen Turnieren an.

Als Anfang Juni 1914 der letzte Besatzungswechsel stattfand, übernahm Fikentscher die Funktion des Rollenoffiziers. Er hatte den Verteilungsplan für die neue Mannschaft im Gefechts-; Feuer-, Leckage- oder Untergangsfall zu erstellen. Außerdem wurde er Signal- und Divisionsoffizier der 4. Division (Signäler, Funker, Handwerker). Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges verhinderte seine für den 24. September 1914 geplante Heimkehr.

Es folgte die dreimonatige legendäre Kaperfahrt der SMS EMDEN im Indischen Ozean. Am Abend des 8. November 1914 wurde Fikentscher, zusammen mit Leutnant Schall, auf das Kohlenschiff BURESK geschickt. Ihre Posten auf der EMDEN übernahmen die Leutnante Gyssling und Schmidt. Sie sollten am folgenden Tag am Landungsunternehmen auf den Kokosinseln teilnehmen.

Bevor Fikentscher auf die BURESK wechselte, hörte er, dass der Erste Offizier Hellmuth von Mücke statt des üblichen Landungskorps eine eigens zusammengestellte Mannschaft mitnehmen wollte. In dieser befanden sich viele Spezialisten, u.a. auch alle Einsatzaufsteller der 10,5 cm Geschütze. Fikentscher protestierte dagegen und wies darauf hin, dass die EMDEN so in ihrer Gefechtsbereitschaft eingeschränkt sein würde. Von Müller erkannte diesen Einwand zwar an, beruhigte ihn aber damit, dass für die kurze Zeit, die der Landungszug für seine Aufgabe benötigte, kaum ein gegnerisches Kriegsschiff auftauchen würde.

Das Kohlenschiff BURESK hielt sich am Morgen des 9. November 1914 nördlich der Kokosinseln auf und war im Begriff zwecks einer geplanten Versorgung zur Emden zu stoßen. Aus der Ferne erlebten die Männer auf der BURESK das Gefecht zwischen SMS EMDEN und der HMAS SYDNEY mit. Nach der Strandung der EMDEN versuchte die BURESK, sich abzusetzen, wurde aber von der SYDNEY verfolgt und gestellt. Die deutsche Prisenbesatzung versenkte daraufhin das Schiff. Die SYDNEY nahm die Rettungsboote der Buresk mit den darin befindlichen Deutschen in Schlepp und lief zur Emden zurück. Plötzlich warf die SYDNEY die Boote los und schoss zwei Breitseiten in das wehrlose Wrack der EMDEN. Nachdem dort die Kriegsflagge eingeholt wurde, stellte der Australier das Feuer ein.

Leutnant Fikentscher begab sich daraufhin mit einem der BURESK-Boote zur EMDEN und überbrachte Verbandszeug sowie Trinkwasser. Ferner teilte er seinem Kommandanten mit, dass die SYDNEY die Schiffbrüchigen erst am nächsten Tag bergen würde. Für die nächsten Stunden übernahm er die Aufgaben des gefallenen Adjutanten Leutnant zur See von Guerard. Am Mittag des 10. November 1914 wurden die Schiffbrüchigen geborgen. Mit dem letzten Boot verließen Fikentscher und von Müller das Wrack der SMS EMDEN.

Allgemeines (nach dem 9. November 1914):
Auch Erich Fikentscher wurde nach Malta ins Fort Verdala gebracht. Am 9. April 1916 gelang ihm mit einem weiteren Gefangenen die Flucht. In einem offenen Ruderboot erreichten beide Sizilien. Da sich Italien zu dieser Zeit bereits mit dem Deutschen Reich im Kriegszustand befand, wurde Fikentscher erneut gefangen gesetzt. Durch einen Austausch über das Internationale Rote Kreuz gelangte er am 21. Oktober 1917 in seine Heimatstadt Augsburg. Im letzten Kriegsjahr diente er bei der 2. Abteilung der II. Marine-Division. Am 24. November 1919 schied er zunächst aus der Marine aus.

Erich Fikentscher beantragte ebenfalls den Namenszusatz Emden und hieß fortan Fikentscher-Emden. Später wurde er als Marineoffizier reaktiviert und hatte während des 2. Weltkrieges folgende Kommandos inne:

Leiter Wehrwirtschaftsstelle Augsburg, Wehrwirtschaftsinspektionen (1936 bis September 1938)
beim OKW (Oktober 1938 bis September 1939)
Kommandeur des Rüstungskommandos Warschau (September 1939 bis April 1940)
Wirtschafts-Referent im Marinewaffenamt (MWa), OKM (April 1940 bis Oktober 1941)
Gruppenleiter im Rüstungsamt, OKW ( Oktober 1941 bis Juli 1942)
Kommandeur des Rüstungskommandos Hamburg (August 1942 bis Januar 1944)
Kommandeur des Rüstungskommandos Essen (Februar 1944 bis März 1945)

1955 wurde Fikentscher-Emden Ehrenvorsitzender des Marinevereins Augsburg.

Auch von ihm existiert ein Buch, welches 1976 erschien: Ostasien und die Südsee 1912 - 1914: an Bord des Kreuzers S.M.S. "Emden"

Beförderungen:
Fähnrich zur See (15. April 1911)
Leutnant zur See (27. September 1913)
Oberleutnant zur See (22. März 1916)
char. Kapitänleutnant (8. Mai 1920)
Kapitänleutnant (E) (1. April 1932)
Korvettenkapitän (E) (1. April 1937)
Fregattenkapitän (1. April 1941)
Kapitän zur See (1. März 1944)

Auszeichnungen
EK II (1914)

* Karl Peter: Seeoffizieranwärter. Ihre Ausbildung von 1848 bis heute. Mürwik 1969, S. 93, Buch Erich Fikentscher, S. 1 und Crewbuch 1909, S. 18