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Taufrede S.M.S. EMDEN des Oberbürgermeisters von Emden, Leo Fürbringer.


Als vier- bis sechsjähriger Bursche hörte der kleine Herbert gerne seinem Opa, Robert Maaß-Emden, zu, wenn dieser beim Kartoffelnschälen war. Dann saß Herbert auf Opas Schoß und lauschte den Geschichten mit den Ängsten vor Kannibalen auf Neuguinea, Sumatra und Borneo und den Scharmützeln und kleineren Kampfhandlungen, an denen die "EMDEN" gelegentlich beteiligt war. Aber manchmal kam es Opa auch in den Sinn, mit seinem Enkel Herbert zu singen. Dazu zog er seine Mundharmonika aus der Rocktasche und brachte ihm richtige Seemannslieder bei. „Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise“, und andere mehr.

Herbert Maaß-Emden hat die nachfolgenden Erinnerungen an den Opa und dessen Erinnerungen an die Zeit auf der S.M.S. EMDEN festgehalten und uns Texte und Bilder dankenswerterweise zur Verfügung gestellt.

Erlaubnis des Vaters, zur See fahren zu dürfen.


Neugier und Fernweh
Im Anschluss an seine Lehre zum Kupferschmied ging Robert Maaß auf die Walz durch das Kaiserreich. Die Neugier und das Fernweh veranlassten ihn, bei der Kaiserlichen Marine anzufangen. Sein Vater genehmigte dem noch minderjährigen Robert per Erlaubnisschein „zur See fahren zu dürfen“, seine Ausbildung in Wilhelmshaven in der II. Torpedodivision zu beginnen.

Ausbildungsjahrgang 1912, 2. Torpedo-Division. Robert Maaß ist der Zweite von rechts in der vorderen Reihe.


Dann ging es mit dem Passagierschiff „Königin Luise“ 1913 zum Ostasiengeschwader nach „Tsingtau“ in China. Dort begann er als Torpedoheizer auf dem „weißen Schwan des Ostens“, auf der S.M.S. EMDEN, seinen Dienst. Der nun sehr stolze Seemann Robert Maaß bereiste in der Zeit bis zum Ausbruch des Krieges im Jahr 1914 eine Vielzahl von südostasiatischen Häfen in einer Zeit, in der die deutsche Kolonialpolitik ihren Höhepunkt erreichte. Seine Abenteuerlust und kulturelle Neugier wurde in dieser Zeit über alle Maßen befriedigt.

Eine der vielen Seereisen führte die S.M.S. EMDEN unter dem Kommando von Karl von Müller an der bis dahin bekannte tiefste Meerestiefe im Philippinengraben entlang. Sie ist als „Emdentiefe“ (127° O, 10° S) im Brockhaus Weltatlas, 2. Ausgabe von 1997 Seite 336 verewigt und ist später durch Messungen der EMDEN III bestätigt worden. In dieser Gegend liegen auch die von der S.M.S. EMDEN besuchten Inseln Luzon, Palau und Leyte.

Karl von Müller: Vorbild und Vaterfigur
Der junge Robert fand damals ein Vorbild und eine Vaterfigur in seinem Kommandanten Karl von Müller, was bis zu seinem Tode so blieb. Seinem Enkel Herbert schwärmte er noch in den 50er- und 60er-Jahren von diesem großartigen Menschen vor. Für ihn baute Robert zu dessen Lebzeiten noch ein Modell „seiner“ schönen EMDEN, welches auf den Grabbildern in Blankenburg mit einem auf Wache stehenden Marinesoldaten zu sehen ist.

Karl von Müller - Sein Grab in Blankenburg.


Opa erzählte auch gern von den vielen schönen Reisen nach China, Japan mit den schönen Südostasiatinnen und den südostasiatischen Inseln. Für die jungen Seeleute ergaben sich immer wieder kleine Studienausflüge in die Gegenden, in denen sie sich gerade befanden. Faszinierend soll der gewaltige Yang Tse Kiang gewesen sein.

Der Hafen von Tsingtau.


Aber sein Opa erzählte auch von grausamen Dingen. Wie er zum Beispiel mit ansehen musste, wie Aufständische und Gefangene geköpft wurden, die ihren Glauben und ihre Einstellungen nicht ändern wollten.

1914: Mobilmachung
Der nun bis dahin schöne Teil der Reisen durch die Welt endete Anfang August 1914 mit der Mobilmachung und dem Beginn des Weltkrieges. Man ahnte damals noch nicht, dass noch ein zweiter, viel schlimmerer Weltkrieg kommen würde. Robert Maaß war bereit, für seinen Kommandanten, für seine Kameraden, für den Kaiser und für das Vaterland alles zu geben. „Mit einem Mal waren wir nur noch von Feinden umgeben. Alle Freundschaften existierten nicht mehr.“

Fernab der Heimat lag die kleine „EMDEN“ in Ostasien, war auf sich allein gestellt und befand sich nun im Kaperkrieg. Der Kleine Kreuzer S.M.S. EMDEN stand nun einer riesigen in dieser Region befindlichen Übermacht an englischen, französischen, japanischen und russischen Marine-Kampfeinheiten gegenüber. Diese Situation war für Herberts Opa völlig neu und befremdlich. Alle privaten Dinge der Besatzungsmitglieder mussten von Bord geschafft werden; alle brennbare Holzteile und überflüssige Dinge wurden an Land gebracht und dafür kriegswichtiges Material an Bord verstaut.

„Klar Schiff zum Gefecht“
Für Opa war es aufregend, als am Morgen des 4. August 1914 in der Straße von Tsushima der Befehl kam: “Klar Schiff zum Gefecht!“ Die Rjäsan wurde gekapert, nach Tsingtau gebracht und zum Hilfskreuzer „Cormoran“ umgerüstet. Es wurde aber hierzu der erste scharfe Schuss vor den Bug des russischen Schiffes abgefeuert. Erstaunt war Robert, dass der erste Streich der „EMDEN“ ohne Blutvergießen verlief.

Das Prisenkommando verhielt sich aber auch bei nachfolgenden Kaperungen immer sehr ritterlich und behandelte die Personen an Bord der fremden Schiffe mit Zuvorkommenheit. Waren dann eine gewisse Anzahl von Besatzungen zusammen, wurden sie in Küstennähe in alten kleineren Schiffen ohne Funk ausgesetzt, um die Position der „EMDEN“ nicht schnell verraten zu können.

Gern und stolz erzählte aber auch Opa Robert von der Beschießung der Öltanks von Madras am Abend des 22. September 1914. Die „EMDEN“ schlich sich abgedunkelt, wie eine Raubkatze, an die Küste heran und begann zu schießen, als die Bordscheinwerfer die Tanks im Lichtkegel hatten. Nach der erfolgreichen Feuerattacke – die Tanks brannten lichterloh – liefen die "EMDEN" mit voller Kraft auf See hinaus. Leider ist bei der Beschießung an Land ein Mensch zu Tode gekommen, wie später bekannt wurde. Jedenfalls hat dieses Husarenstück einen riesigen Eindruck bei der Besatzung hinterlassen.



Beim Einsatz gegen den russischen Kreuzer „Schemtschug“ im Hafen von Penang kam die Torpedowaffe zum Einsatz. Den zu diesem Zeitpunkt unklaren Zustand der Torpedos konnte Robert Maaß durch sein handwerkliches Geschick beenden und seine Torpedos trugen dann zur Versenkung des russischen Schiffes bei. Für diesen Einsatz wurde Robert dann später, nach der Kriegsgefangenschaft, mit dem EK1 und weiteren Auszeichnungen geehrt.

Beim Auslaufen von Penang stellte sich der „EMDEN“ ein französischer Torpedobootzerstörer, die „Mousquet“, in den Weg. Diese wurde versenkt, ein weiteres Schiff in die Flucht geschlagen. Die Überlebenden wurden an Bord genommen und später wieder frei gelassen.

Das letzte Gefecht der S.M.S. EMDEN
Aber auch vom letzten Gefecht der „EMDEN“ erzählte Opa seinem Enkel Herbert immer wieder und gelegentlich konnte Herbert dann die feuchten Augen seines Opas sehen. Sein schönes Schiff hatte an diesem Tag vor den Kokos-Inseln geankert. Der Landungszug war an Land gegangen und war damit beschäftigt, die Kabelverbindung der Engländer zwischen Afrika und Australien zu zerstören. Anschließend sollte noch der Kohlevorrat aus der gekaperten „Buresk“ umgeladen werden.

Aber statt des gekaperten Schiffes tauchten die vier Schornsteine eines Kriegsschiffes auf. „Klar Schiff zum Gefecht“, lautete der Befehl. Opa, in seiner Torpedokammer unter Deck, sah nicht mehr, was sich an Oberdeck abspielte. Draußen donnerten die Geschütze und die „EMDEN“ erzielte die ersten Treffer beim Gegner. Die Maschinen gaben alles. Es war sehr laut unter Deck. Bald bekam die „EMDEN“ die ersten Treffer und wurde schwer beschädigt. Opa Robert und seine Kameraden hofften, noch die Torpedowaffe zum Einsatz zu bringen. Aber wegen der größeren Entfernung und höheren Geschwindigkeit des Gegners gelang dies nicht.

Am Kopf verletzt
Eine Granate schlug oberhalb des Torpedoraumes unterhalb der Wasserlinie ein und ein Splitter verletzte Robert Maaß am Kopf. Im Raum machte sich beißender Dampf breit und im Torpedoraum stieg das Wasser, so dass man teilweise nur schwimmend den Verlauf des Gefechtes verfolgen konnte. Plötzlich ein schleifendes Geräusch, dann ein starker Ruck: Kapitän von Müller hatte die „EMDEN“ auf Grund gesetzt. Von oben kam der Befehl: “Alles Mann raus aus dem Schiff!“

Herberts Opa und seine eingeschlossenen Kameraden versuchten, an Oberdeck zu gelangen. Dort aber versperrte der abgeschossene Mast die leicht geöffnete verbogene Luke, den einzigen Ausgang aus dem hoch stehenden Wasser. Alles Rufen und Schreien blieb ungehört. Als Robert aber durch den Spalt in der geöffneten Luke einen Seemann an seinem weiten Beinkleid festhalten konnte und dieser ihm dann versprach, zu helfen, gelangten die Eingeschlossenen endlich an Oberdeck. Hier bot sich ein Bild des Grauens. Ein zerstörtes Schiff und tote und verletzte Kameraden.

Der Kommandant sagte, wer wolle, solle über Bord springen und an Land schwimmen. Wie viele seiner Kameraden so sprang auch Opa Robert ins Wasser und versuchte, an Land zu schwimmen. Bis zur Insel war es nicht weit, „nur“ 300 bis 400 Meter. Aber die starke ablandige Strömung erschwerte dieses kräfteraubende Unterfangen. Einige Kameraden schafften es nicht zur Insel und gingen unter.

Erst nach drei bis vier Stunden war das Ufer erreicht. Und dann zahlte es sich aus, dass Robert die Worte des Torpedo-Offiziers OLt.z.S. Witthoeft befolgt und im Wasser die Seestiefel anbehalten hatte: Die scharfen Korallen im Uferbereich hätten ihm sonst die Füße zerschnitten.

Die wenigen, die die rettende Insel erreicht hatten, waren nun neuen Gefahren ausgesetzt. Es gab kein Trinkwasser und nichts Essbares. Die Kokosnüsse beinhalteten keine Kokosmilch. So vergingen mehrere Tage ohne Essen und Trinken. Die Qualen wurden immer stärker. Der Schiffsarzt ermahnte immer wieder, nicht das Salzwasser zu trinken. Er tat es aber dann doch, ging dann wenig später ins Wasser und ertrank.

Suche nach Überlebenden auf der Insel
Dass die Seeleute von der Insel gerettet wurden verdanken sie nach Aussagen Robert Maaß ihrem Kommandanten Karl von Müller. Dieser hatte an Bord der H.M.A.S. Sydney immer wieder den Kommandanten, Kpt. Glossop, bedrängt, auf der Insel nach Überlebenden suchen zu lassen. Die Überlebenden gelangten so auf die H.M.A.S. Sydney und wurden zuerst einmal versorgt. Langsam Wasser trinken und Wunden versorgen lassen war angesagt. Alle Geretteten wurden an Bord freundlich versorgt und behandelt.

In Kriegsgefangenschaft
Es folgte die Kriegsgefangenschaft von 1914 bis 1920 in Liverpool (Australien). Über diese Zeit sprach Opa Robert ungern. In dieser Zeit fertigte er Zeichnungen seiner „EMDEN“ an und baute mehrere Schiffs-Modelle. Mit dem Erlös ließ es sich gut leben.

Karte vom Kriegsgefangenenlager Liverpool (Australien).


"Heizer Maaß mit einem von ihm gebauten Emdenmodell"


Später, wieder zu Hause in Deutschland, wurde im Jahre 1921 geheiratet und eine Familie gegründet.
Neben seiner Berufstätgkeit fertigte er für seinen Kommandanten, Kpt.z.S. Karl von Müller, und für die kleine Familie Maaß ein Modell seiner geliebten S.M.S. EMDEN an. Ein Erbstück.

Das Eiserne Kreuz und der Namenszusatz
Die Fairness, die Karl von Müller und die Besatzung der S.M.S. EMDEN ihren Gegnern gegenüber stets an den Tag legte, die weltweit anerkannte, hervorragende Leistung sowie die Ritterlichkeit brachten eine einmalige und bleibende Erinnerung an dieses Schiff mit sich: Alle nachfolgenden Marineschiffe, die auf den Namen „EMDEN“ getauft wurden, trugen und tragen das verliehene Eiserne Kreuz in Anerkennung an die stolzen Taten.

Robert Maaß - heimgekehrt und ausgezeichnet.


Alle Überlebenden der Kreuzerfahrten im Indischen Ozean, die ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis vorweisen konnten, durften auf Antrag ihrem Geburtsnamen den ehrenvollen Namen EMDEN mit einem Bindestrich anhängen. So verlieh das Preußische Justizministerium am 28. Dezember 1926 per Ermächtigung dem Installateur Gustav Hermann Robert Maaß den neuen Nachnamen Maaß-Emden:

Die Ermächtigung zum Führen des Namenszusatzes "-Emden" (Klicken zum Vergrößern)


Manche Bilder lassen sich durch Anklicken vergrößern