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Dr. D. Chembakaraman Pillai

Kaum bekannt ist, dass auch Dr. D. Chembakaraman Pillai als Schiffsarzt der "Emden" bezeichnet wird. Wie unsicher das alles ist, zeigt, dass er in anderen Quellen als "Ship's engeneer" der Emden bezeichnet wird, der den Kommandanten von Müller beim Beschuß von Madras unterstützte.

Dr. Gabriele Landwehr, die Leiterin des Goethe-Instituts in Chennai (ehemals Madras) sandte uns einen Text, den wir übersetzten und hier veröffentlichen. Er stammt von S. Muthiah.

Erinnerung an den Arzt der Emden
"Ich dachte, dass die meisten Menschen mit dem Verschwinden des Namens „Emden“ aus dem tamilischen Sprachschatz auch vergessen haben, dass die Plage des Indischen Ozeans, der deutsche Kreuzer Emden, am 22. September 1914 Madras beschossen hat. Das ist keine überraschende Vermutung angesichts der Missachtens gegenüber der Gedenktafel an der östlichen Mauer des Obersten Zivilgerichtes zuteil wird, die ein wenig an die Tollkühnheit des Raiders von Kommandant Helmut von Müller erinnern soll.

Aus diesem Grund war ich überrascht (Folge eines kurzen Features, das ich geschrieben hatte), eine Einladung zu einer Feier zu bekommen, die im Zusammenhang mit der Emden steht und die offenbar jährlich am 22. September bei der Gedenktafel abgehalten wird – die bei dieser Gelegenheit auch gesäubert wird. Die Feier wurde von J. Veluswamy Pillai und einer Gruppe von Wohlgesonnenen organisiert.

Die Gedenktafel

(Bild: Joachim K. Bautze. Klicken zum Vergrößern)


Das Gedenken gilt nicht dem Kreuzer, sondern dem Schiffsarzt der Emden, Dr. D. Chembakaraman Pillai, einem Malaien, der nach Deutschland gegangen war, um Medizin zu studieren und der ein bekennender Anti-Imperialist wurde.
Abstruse Legenden über ihn als Müllers Stellvertreter, darüber, dass er das Feuer auf bestimmte Ziele in und um den Hafen von Madras geleitet haben soll und dass er nach Cochin gerudert sei, um seine Familie und seine Bewunderer zu grüßen, gibt es zuhauf. Authentische Aufzeichnungen über die Fahrt der Emden bestätigen das nicht. Aber sie erwähnen seine Arbeit an Bord des Kreuzers und seine Bemühungen, nach dem Krieg in Deutschland eine anti-britisch eingestellte Gruppe von Indern zu gründen, einem Vorgänger der Indian National Army. Diese Freiwilligen-Truppe – so eine andere Legende – stand Pate für Netaji Subash Chandra Bose's Indian National Army.

Dr. Chembakaraman Pillai starb 1934 in Deutschland. (Angeblich soll er am 26. Mai 1934 von den Nazis mit Gift ermordet worden sein) Nach seinem Tod kehrte seine Frau Lakshmibai (Sie sollen sich in Berlin kennengelernt und 1931 geheiratet haben) – die aussagte, als Hindenburg-Sympathisantin unter den Nazis gelitten zu haben – nach Indien zurück und lebte in Bombay bis zu ihrem Tod im Jahr 1972.

Erst nach der Unabhängigkeit begann sie, das Andenken an Dr. Pillai lebendig zu halten und seine Ansichten zu verbreiten. Sie unterstützte auch J. V. Swampys (ein Neffe des Doktors) Petition an die Regierung von Tamil Nadu, die darauf abzielte, Fort St. George in Fort Chembakaraman umzubenennen.

Der fesselndste Teil der Geschichte von Chembakaraman ist das Geheimnis um die verschwundenen Papiere. J. V. Swamy behauptet, dass die Polizei von Bombay kurz vor Lakshmibais Tod deren Wohnung durchsuchte und 17 Schachteln mit Papieren ihres verstorbenen Mannes mitnahm. Alle Anstrengungen von J. V. Swamy, den Papieren auf die Spur zu kommen schlugen trotz seiner Kontakte zu Offiziellen in Bombay und Delhi fehl. Aber er hörte, dass die Papiere in Delhi verwahrt seien. Ich würde gerne wissen, was mit ihnen passiert ist.

Könnten sie in den staatlichen Archiven lagern? Und würden sie einem Rechercheur zugänglich sein, der beabsichtigt, die authentische Biografie eines Rebellen zu erstellen, der offenbar ein fasziniertes Leben führte?"

SMS Emden und Madras - Ein Vortrag

Mit der Person Chembakaraman Pillai befasst sich auch Joachim K. Bautze. Am Dienstag, 21. August 2007, hielt er im Goethe-Institut Chennai einen Vortrag mit dem Titel „Konstruktion der Erinnerung: Emden“. Ein Vortrag, der sehr gut besucht war; unter anderem nahmen daran der Deutsche Konsul Johann Heinz Kopp als auch sein Stellvertreter Erwin Wendland teil.

Die Leiterin des Goethe-Instituts in Chennai, Dr. Gabriele Landwehr, hatte vor einiger Zeit eine nach Berlin führende Dienstreise mit einem Besuch bei Joachim Bautze verbunden. Anlass des Besuches war die Ausrichtung einer Ausstellung über das Fotostudio „Wiele & Klein“ in Madras. Bautze hatte ihr sowohl seine Unterlagen über das Fotostudio „Wiele & Klein“ als auch über die SMS Emden gezeigt. Daraus resultierte letztendlich eine Einladung zu zwei Vorträgen am Goethe-Institut in Chennai als Teil der "Madras-Week" in Chennai als Teil der „Madras Woche" (siehe weiter unten). Ein Vortrag befasste sich mit dem Fotostudio E.U.F. Wiele & Theodor Klein, dem einzigen von Deutschen betriebenen Fotostudio in Indien zu Beginn 20. Jahrhunderts. Der andere Vortrag hatte die SMS Emden beziehungsweise den Beschuss von Madras zum Thema.

Das Goethe-Institut kündigte den Vortrag wie folgt an:
„Was bewegte die Tamilen und Malayali dazu, das Wort "Emden" in ihre Sprachen zu integrieren, damit "eine harte und streitbare Person" zu bezeichnen? Die Antwort liefert die Geschichte der "Emden". Der 1908 in der Danziger Werft gebaute kleine Kreuzer mit dem Namen Emden (nach der gleichnamigen Stadt) wurde 1910 zur Flottenbasis der Kaiserlichen Marine nach Tsingtao, China, abgeordnet.
In der Nacht vom 18. September - das Datum nennen die deutschen Bücher, während die Tamilen den 22. September verzeichneten - beschoss die Emden aus 3 km Entfernung von der Küste den Hafen von Madras, wo die britische Burma Shell ihre Öllager hatte. In Chennai erinnert heute noch eine Tafel an der Mauer des High Court an das Loch, das die Kanonenkugel der Emden dort schlug.
Am 9. November 1914 kam der Umschwung für die Emden: der leichte australische Kreuzer HMAS Sidney versenkte den kleinen deutschen Kreuzer. Die Mannschaft konnte sich retten und kaperte einen Segler namens "Ayesha" (auf Deutsch: Hoffnung), der zwar beschädigt war, sie aber dennoch heil in den deutschen Hafen zurückbrachte - und so zu Helden machte.“
(Hinweis: Der Text entspricht nicht in allen Punkten dem Textvorschlag von Joachim K. Bautze. So hat sich nicht die Mannschaft der SMS Emden gerettet und mit der "Ayesha" die Cocos-Inseln verlassen, das waren die Mitglieder des Landungszuges)

Die Zeitung „The Hindu“ berichtete über den Vortrag:
„Ein deutsches Schiff, das vor 93 Jahren in der Stadt eine Panik auslöste, fand Eingang ins tamilische Lexikon. Das Kriegsschiff Emden bombardierte britische Öltanks an der Küste von Madras und heutzutage bedeutet „emden“ in der tamilischen Sprache soviel wie „streetsmart“. Das Goethe-Institut Chennai (ehemals Madras) organisierte einen Vortrag zu dem Schiff und seiner Geschichte als Teil der einwöchigen Feiern zum „Madras-Tag“.
Joachim Bautze sagte, SMS Emden sei ein so schönes Schiff gewesen, dass sogar die Briten, Feinde der Deutschen im Krieg, von ihr als dem „Schwan des Ostens“ sprachen.
Kapitän von Müller, der die Angriffe des Schiffes leitete, verfasste eine Darstellung der Fahrten des Schiffes, in der auch der Beschuss Madras’ beschrieben wird. Es gibt Beschreibungen, so Bautze, wonach nach dem Beschuss der Öltanks dicker Qualm den Himmel über der Stadt verdunkelte.
Nach dem Vortrag wurde Joachim Bautze gefragt, ob ein Inder an Bord der Emden gewesen sei. Es gebe Erzählungen über ein Besatzungsmitglied namens Chembakaraman Pillai, von dem es heißt, er sei die rechte Hand des Kommandanten gewesen.
Joachim Bautze meinte, dass es durchaus möglich sei, dass ein Inder an Bord der SMS Emden gewesen ist – wenn auch die originalen Aufzeichnungen keinen Hinweis auf einen Inder an Bord geben."
(Hinweis: In seinem Bericht verwechseltete der Berichterstatter Mücke mit Müller)

Zum „Madras-Tag“ Der „Madras-Tag“ wird seit 2004 gefeiert. Er fällt auf den 22. August. Der 22. August 1639 gilt als Gründungstag der Stadt Madras. Mit der Zeit wurde aus dem „Madras-Tag“ die „Madras-Woche“

Zu Joachim Bautze
Bautze (*1952) ist promovierter und habilitierter indischer Kunsthistoriker. Er ist Privatdozent für Indische Kunstgeschichte. Er promovierte und habilitierte an der Freien Universität Berlin. Nach fünfjähriger Arbeit am Institut für Indische Philologie und Kunstgeschichte der FU war er zehn Jahre Leiter des Arbeitsbereichs Kunstgeschichte am Südasien-Institut der Rupprecht-Karls Universität Heidelberg, darüber hinaus lehrte er in Japan Indische Kunstgeschichte. Ausstellungen, Vortragsreisen und internationale Fachkonferenzen führen ihn immer wieder nach Indien, Bangladesh, Pakistan, Nepal oder Myanmar. Weit über hundert Publikationen gehören zu seinen Veröffentlichungen.
In seinem Buch „Indien und seine Bundesstaaten“ (Köln: Komet, 2006) erwähnt er die Beschießung von Madras durch die SMS Emden an entsprechender Stelle.

Der Name der Goethe-Institute in Indien
Die Goethe-Institute in Indien heißen Max Müller Bhawan; abgekürzt „MMB“. Das geht auf Friedrich Max Müller zurück, der die "Veden", das sind die ältesten lesbaren heiligen Texte Indiens, ediert und zum Teil übersetzt hat. Friedrich Max Müller (in England als Max Müller bekannt) wurde am 6. Dezember 1823 in Dessau geboren und starb am 28. Oktober 1900 in Oxford. Er war Sprachforscher und einer der Begründer der Sanskrit-Forschung. Unter seiner Leitung erschienen die "Sacred Books of the East", eine 50-bändige Reihe von englischen Übersetzungen heiliger asiatischer Bücher.