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Hugo Plötz wurde am 11. Juli 1889 in Herlingen/Kreis Metz (Lothringen) geboren. Er starb am 25. August 1976 in Schotten (Oberhessen)

Plötz trat am 1. April 1905 als Schiffsjunge in die Kaiserliche Marine ein.

Hugo Plötz als Signalmaat auf SMS POSEN


Allgemeines:
Schulschiff SMS CHARLOTTE (1. April 1905 bis 31. März 1906)
- 200 Schiffsjungen und 50 Offiziersanwärter der Crew 1905 (u.a. Adalbert Schüssler)
- Große Ausbildungsreise: (18. Juli 1905 bis 30. März 1906)
Atlantik/Mittelmeer – u.a. Färöer-Inseln – Spanien – Portugal – Kanarische Inseln – Marokko – Spanien – Italien – Griechenland – Libanon – Ägypten

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Infanterieausbildung im Fort Korügen, Kiel-Heikendorf (1. April 1906 bis 30. September 1906)
Ausbildung zum Signäler, 2. Matrosen-Division, Wilhelmshaven (1. Oktober 1906 bis 31. März 1907)
Mit HAPAG-Dampfer BORUSSIA von Wilhelmshaven nach Hongkong (26. April 1907 bis Juni 1907)
Flusskanonenboot SMS TSINGTAU, Sikiang (heute Westfluss), China (Juni 1907 bis Juni 1909)
Mit dem Dampfer OLDENBURG von Tsingtau nach Bremerhaven (12. Juni 1909 bis 28. Juli 1909)
Kleiner Kreuzer SMS Pfeil, Begleitschiff des I. Geschwaders (August 1909 bis September 1911)
- in dieser Zeit Signalkurse auf SMS NIXE und SMS PREUSSEN (1911/12)
FEUERSCHIFF ELBE 1/Signalturm ALTE LIEBE, Cuxhaven (März 1912 bis August 1912)

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Kleiner Kreuzer SMS STUTTGART, Inspektion der Schiffsartillerie, Sonderborg (September/Oktober 1912)
- Herbstmanöver in der Nordsee
- Untergang des T-Bootes G 171 nach Kollision mit dem Linienschiff SMS Zähringen
Linienschiff SMS POSEN, I Geschwader (Flaggschiff d. II. Admirals), Hochseeflotte (November 1912 bis September 1913)
Steuermannsschule (Oktober 1913 bis 31. März 1914)
Mit HAPAG Dampfer PATRICIA von Wilhelmshaven nach Tsingtau (23. April 1914 bis 3. Juni 1914)

Auf der EMDEN:
Kleiner Kreuzer SMS EMDEN (3. Juni 1914 bis 9. November 1914)

Kurz nach seinem Kommandoantritt auf SMS EMDEN brach der erste Weltkrieg aus. Plötz erlebte die so oft beschriebene Kaperfahrt, die Zerstörung der Öltanks von Madras, den Überfall auf Penang sowie das Gefecht mit dem australischen Kreuzer HMAS SYDNEY mit. Diese Erlebnisse hielt der in seiner Freizeit begeisterte Maler in diversen Zeichnungen fest (mehr siehe hier).

Am Morgen des 9. November 1914 – die EMDEN ankerte vor Direction Island (Kokosinseln) und hatte einen Landungszug zur Zerstörung der dortigen Funkanlage ausgesandt - befand sich Plötz mit dem Kommandanten und weiteren Offizieren auf der Brücke, als gegen 08.45 Uhr im Nordosten eine Rauchfahne gemeldet wurde. Man vermutete die per Funk herbei befohlene BURESK. Plötz nahm Peilungen und stellte fest, dass die Rauchfahne sehr schnell auswanderte. Das konnte kein normaler Frachter sein. Daraufhin ließ Kommandant von Müller dem Landungszug signalisieren, die Arbeiten zu beschleunigen. Plötz sollte nun die Rauchfahne vom Krähennest weiter beobachten. Er erkannte schließlich zwei schräge Masten und meldete es durch das Sprachrohr nach unten. Von Müller ließ die Flagge Y setzen und die Sirene aufheulen. Das bedeutete „Boote sofort zurück“. Plötz konnte den Landesteg von seinem Ausguck beobachten. Minuten vergingen, aber die Boote legten nicht ab. Er kletterte wieder hinab auf die Brücke, während der Adjutant, Leutnant von Guerard, als Beobachter für die Artillerie aufenterte.

Gegen 09.30 Uhr verließ die EMDEN die Reede von Port Refuge. Zehn Minuten später eröffnete sie das Feuer. Plötz befand sich zuerst in Feuerlee des Kommandoturmes. Er beobachtete noch, wie auf der SYDNEY erste Treffer einschlugen und auf der EMDEN der Funkraum zerstört wurde. Dann übernahm Steuermann Mönkedieck seinen Platz und Plötz wurde in die Zentrale befohlen. Dort, unterhalb vom Panzerdeck, befanden sich noch vier weitere Männer (darunter Marine-Ingenieur Andresen). Im Kommandoturm fielen Ruder und Maschinentelegraf sowie die elektrische Befehlsübermittlung aus. Plötz musste von der Zentrale steuern und die Befehle vom Kommandoturm durch die Sprachrohre an die jeweiligen Abteilungen weiterleiten. Kurz nach 10.00 Uhr versagte auch diese Steuerung. Das Ruder klemmte bei 15 Grad Steuerbord. Die Verbindung zum Ruderraum brach ab und die EMDEN drehte die acht bis neun Dez nach Steuerbord, bevor man mit den Schrauben gegenan steuern konnte. Gegen 10.30 Uhr ging der Fockmast über Bord. Da seine Verankerung unmittelbar hinter der Zentrale war, hob sich deren Boden schlagartig.

Nach dem Auflaufen waren die Männer in der Zentrale zunächst eingeschlossen. Das Ausstiegluk war blockiert und Wasser drang ein. Nach längerem Rufen und Hämmern, wurden sie befreit. Über das total zerstörte Heizerwohndeck gelangte Plötz an Oberdeck und erreichte die Back. Er sah noch, wie die SYDNEY hinter North Keeling Island verschwand, um die BURESK zu verfolgen. Auf Befehl des Kommandanten versuchte Plötz mit einer Leine an Land zu schwimmen. Leider war sie zu kurz und in der schweren Brandung musste er sich schließlich losmachen. Nachdem Plötz fast auf das Riff geschleudert wurde, schien er ins offene Meer abzutreiben. Nach 30 Minuten harten Schwimmens, schaffte er es wieder an Bord zu kommen. Danach kümmerte er sich mit um die Verwundeten auf der Back. Im Laufe des Nachmittags wurden noch mehrere vergebliche Versuche unternommen, eine Landverbindung herzustellen.

Gegen 16.30 Uhr war die SYDNEY wieder beim der Wrack der EMDEN. Auf die Morseanfrage „Do you surrender?“ signalisierte Plötz von der zerschossenen Brücke aus mit einer Flagge „We have no signalbook“. Weitere Anfragen der SYDNEY verstand man ebenso wenig, was Plötz entsprechend beantwortete. Daraufhin eröffnete die SYDNEY erneut das Feuer. Innerhalb der nächsten Minuten schlugen Treffer zweier Breitseiten mittschiffs ein. Durch die umherfliegenden Sprengstücke wurden sieben Männer getötet (unter ihnen Obermaschinist Dressler) und ca. 20 verwundet (unter ihnen der Ingenieur Stoffers, welcher später verstarb). Als man die Kriegsflagge strich und ein weißes Tuch zeigte, hörte der Beschuss auf. Wieder waren auch einige Überlebende über Bord gesprungen, um an Land zu schwimmen. Einige schafften es, andere wurden wieder an Bord geholt, während einige Andere dabei ertranken (darunter auch Torpedomaschinist Pyttlik).

Am Abend half Plötz dabei, Brände an Bord zu bekämpfen und die Verwundeten zu versorgen. Laut mehreren Interviews wurden auch einige Gefallene der See übergeben. Am folgenden Morgen setzte Plötz das internationale Notsignal NC (Nanni Caesar) im Großmast. Erst am Nachmittag kam die SYDNEY zurück und sandte Boote aus. Da diese der schweren Brandung wegen nur achtern unter größter Mühe festgemacht werden konnten, mussten die Unverletzten die Verwundeten unter großen Schwierigkeiten über das zerschossene Deck nach achtern bringen. Es gelang, alle Männer vom Wrack zu bekommen und auf die SYDNEY zu bringen. Am nächsten Tag konnten auch die Männer von North Keeling Island übernommen werden.

In britischer und französischer Gefangenschaft (10. November 1914 bis Februar 1920)
Über Colombo (Sri Lanka, ehem. Ceylon) gelangte Plötz, wie alle unverletzten Überlebenden, nach Malta. Dort kam zunächst in das Zeltlager St. Clemens, später in das Fort Salvatore. Während der Gefangenschaft gehörte Plötz u.a. zur Fußballmannschaft des Lagers. Mehrere Postkarten, die er in dieser Zeit nach Hause schrieb und zusätzlich bemalte, sind bis heute erhalten. Im Jahr 1918 zog die Mannschaft wieder ins Lager St. Clemens. Mehr zur Zeit der Gefangenschaft hier.

Als der Erste Weltkrieg vorüber ging, war die Gefangenschaft der Emden Leute noch lange nicht zu Ende. Plötz glaubte, eher nach Hause zu kommen, indem er sich durch falsche Angaben einem Trupp Elsässer und Lothringer mit französischen Eltern anschloss. Diese sollten nach Straßburg gebracht werden, aber der Transport endete in Paris. Dort lief Plötz zunächst fünf Tage frei herum. Er hauste in einem Flüchtlingsheim für Rumänen, wo er schließlich erkannt und festgesetzt wurde. Nach 14 Tagen Festungshaft kam Plötz in das Gefangenenlager von Etampes (südl. von Paris). Erst im Februar 1920 wurde er schließlich entlassen.

Hugo Plötz fand in Frankfurt am Main eine neue Heimat, nachdem seine Familie Metz verlassen musste. Er trat in den Postdienst ein und brachte es bis 1939 zum Inspektor. Im Januar 1929 wurde ihm der beantragte Zusatznamen EMDEN vom Justizministerium bewilligt (siehe auch hier).

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Im Zweiten Weltkrieg war Plötz-Emden in den Jahren 1941 bis 1944 in Galizien/Westukraine (u.a. in Brzezany bei Lemberg) für den Postdienst eingesetzt, wie einige Briefe und Postkarten belegen. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Hugo Plötz-Emden in der oberhessischen Stadt Schotten. In seiner Freizeit war er ein begeisterter Maler. Viele Erlebnisse seiner Marine- und Gefangenenzeit verarbeitete er in Skizzen, Zeichnungen und Holzschnitten.

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Beförderungen
Signalgast (1. April 1907)
Signalmaat (1. August 1912)
Steuermannsmaat (1. April 1914)

Quellenhinweis:
Fotos, Zeichnungen, Dokumente und Postkarten stammen aus dem Nachlass von Hugo Plötz-Emden, den uns Michael Börner aus Berlin freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.