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Am Freitag, 29 Februar 2008 berichtete der Sender „Phönix“ unter dem Titel „Unter Kaiserlicher Flagge“ über den Überlebenskampf der Matrosen des legendären Kreuzers „Emden“ im Jahr 1914. Unter ihnen waren auch zwei Soldaten aus der Oberlahnregion: Kapitänleutnant Gropius aus Weilburg und Maschinist Josef Schmidt aus Langhecke.

Lydia Aumüller aus Villmar (Hessen) hat den nachstehenden Zeitungsartikel verfasst.



Josef Schmidt aus Langhecke war

einer der legendären "Emden"-Helden

Josef Schmidt

(Klicken zum Vergrößern)


Am 9. November 1914 wurde vor den Kokosinseln im Indischen Ozean der kleine geschützte deutsche Kreuzer „Emden" von dem Australischen Kreuzer „Sydney" versenkt. Seit Wochen informierte die Weltpresse durch Schlagzeilen die Bevölkerung aller Erdteile über die tollkühnen Taten des deutschen „Geisterschiffes Emden", dem es gelang dutzende von englischen Kriegs- und Handelsschiffe zu versenken. Die gesamte britische Inselflotte jagte ohne Erfolg den kleinen Kreuzer, der seit 1910 die deutschen Besitzungen in China, in den ostasiatischen Gewässern schützte und deren Rechte wahrnahm.
Unter der Mannschaft des Schiffes befanden sich aus dem ehemaligen Oberlahnkreis Kapitänleutnant Gropius aus Weilburg (geboren 1883 als Sohn des Professor Gropius), der seit Frühjahr 1913 als Navigationsoffizier auf der „Emden" fungierte, ebenso der Maschinist Josef Schmidt (geboren 1891 als Sohn des Bergmanns Josef Schmidt), aus dem Dörfchen Langhecke, der am 13. Januar 1913 seinen aktive Dienstzeit bei der Kaiserlichen Marine II. Werftdivision Wilhelmshaven angetreten hatte und auf der „Emden" als Heizer seine Pflicht erfüllte.

Die Nachricht über die Versenkung der „Emden" rief in ganz Deutschland, verständlicherweise auch in Weilburg und in Langhecke, berechtigte Sorge hervor.

Im Kreis einiger Kameraden

Josef Schmidt (vorne in der Mitte) im Jahre 1914. (Klicken zum Vergrößern)



46 starben - 200 trieben im Wasser, wurden gerettet und kamen nach Malta
Bei der Seeschlacht vor der Kokosinsel mit dem erheblich größeren Kreuzer „Sydney" verloren sechs Offiziere, darunter auch der Weilburger Fregatten-Kapitän Gropius, ihr Leben, weitere 40 Soldaten starben, viele wurden verwundet. Zweihundert Matrosen trieben hilflos über fünf Stunden im Wasser, bevor sie der Kreuzer „Sydney" als Gefangene aufnahm und auf die Insel Malta verfrachtete.

Unter ihnen befand sich auch der Maschinist Josef Schmidt aus Langhecke, der die Gefangenen-Nummer 11950 erhielt. Nahe der Festung auf Malta dienten Zelte als Unterkunft der Matrosen.
Nach fünf Jahren Gefangenschaft wurde Josef Schmidt im Dezember 1919 in die Heimat entlassen. Im Durchgangslager Lechfeld erhielt er den Entlassungsschein mit der Nummer 534782 und der Bestätigung, dass er am 9. November 1914 als Angehöriger und Heizer der S.M.S. „Emden" am Kokos-Eiland in Gefangenschaft geriet.

Mit einem Anzug und dem Entlassungsgeld von, insgesamt 346,10 Mark konnte er endlich die langersehnte Reise in die Heimat antreten. Seine Angehörigen und die gesamte Bevölkerung von Langhecke empfingen ihren „Emden-Helden" gebührend mit Fahnen- und Grünschmuck.

Uniformteil von Josef Schmidt


Hohe Auszeichnungen
Für den Kampf auf der EMDEN wurde Schmidt am 11. Februar 1915 das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen. Dem folgte am 14. August 1930 eine Urkunde als weitere hohe Auszeichnung des Preußischen Justizministers aus Berlin mit folgendem Inhalt:

„Der Maschinist Peter Joseph Schmidt in Langhecke (Oberlahnkreis), geboren, am 31. Juli 1891 daselbst, führt an Stelle des bisherigen Familiennamens den Familiennamen Schmidt-Emden. Diese Änderung des Familiennamens erstreckt sich auf die Ehefrau und diejenigen minderjährigen Kinder des Genannten, die unter seiner elterlichen Gewalt stehen und seinen bisherigen Namen tragen."

Viele Erinnerungen
Aufzeichnungen, Urkunden und Bilder aus jenen Tagen wurden von seinen Töchtern Elisabeth Meuser und Rita Schmidt-Emden bis heute als Vermächtnis des 1953 verstorbenen Vaters gut verwahrt. Sie erzählen von den Heldentaten der Besatzung „Emden" und seines legendären Kommandanten, dem Fregattenkapitän Karl von Müller.

In Gefangenschaft auf Malta

Der Pfeil weist auf Josef Schmidt


Im Jahre 1921 heiratete Josef Schmidt-Emden Katharina Hermann aus Langhecke. Dieser Ehe entstammen die Töchter Elisabeth (*1922) und Rita (*1930). 1931 starb Katharina Schmidt-Emden im 35. Lebensjahr und hinterließ den Witwer mit zwei unmündigen Kindern, die von der Großmutter betreut wurden.

Während des 2. Weltkrieges wurde Josef Schmidt-Emden zur Organisation Todt eingezogen und in Russland eingesetzt, wo er 1945 in Gefangenschaft geriet. Im Juni 1945 kehrte er nach Hause zurück. An der tschechischen Grenze floh er aus einem Gefangenentransport und erreichte nach Wochen zu Fuß seinen Heimatort Langhecke.

Am 11. Februar 1953 verstarb Josef Schmidt-Emden in seinem Geburtsort Langhecke. Der Kreislauf des Emden-Helden war vollendet.

Das Grab von Josef Schmidt-Emden



(Die Bilder wurden uns freundlicherweise von den Töchtern Elisabeth Meuser, geb. Schmidt-Emden und und Rita Schmidt-Emden zur Verfügung gestellt.)