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Erich Wöhner

* 11.04.1886; + 23.04.1945

Der nachfolgende Lebensweg des Erich Wöhner wurde von Gerhard Wöhner (Rostock) im April 2007 auf der Grundlage der angeführten Quellen zusammengestellt. Er umfasst den Zeitraum vom 5. August 1914 in Tsingtau bis zum 21. Juli 1919 in Rotterdam und schildert seine Zeit an Bord der SMS EMDEN sowie seine Gefangenen- bzw. Interniertenzeit. Für Ergänzungen und Hinweise ist der Verfasser (erreichbar unter 3231gerdwoehner@web.de) dankbar.

Lebensweg von Erich Wöhner

05.08.1914
Erich Wöhner
, geboren 1886 in Rathenow/Brandenburg, war bis zum 5. August 1914 Maschinistenmaat auf dem Kanonenboot „Iltis“ in Tsingtau (deutscher Flottenstützpunkt in China in der Provinz Shantung seit 13.11.1897.) Er war Angehöriger der II. Werftdivision der Station Nordsee, Wilhelmshaven. Bis zum 5. August 1914 wurde in Tsingtau der Reichspostdampfer „Prinz Eitel Friedrich“ des Norddeutschen Lloyd mit den Geschützen und anderen Waffen der Kanonenboote „ Iltis“, „Luchs“, und „Tiger“ zum Hilfskreuzer umgerüstet.

S.M.S. Emden 1914 in Tsingtau, China


06.08.1914
Tsingtau war im Kriegszustand. Erich Wöhner und weitere 39 Mann kamen von der abgerüsteten „Iltis“ und anderen Schiffen als Besatzungskriegszuschlag an Bord des Kleinen Kreuzers SMS „Emden“. Die Besatzungsstärke beim letzten Auslaufen aus Tsingtau betrug 398 Mann und drei chinesische Wäscher. Die „Emden“ lief gemeinsam mit dem Begleitschiff „Markomannia“ aus. Der Hapag-Frachter „Markomannia“ war 4505 BRT groß und diente der „Emden“ als Kohleschiff bis zum 12.10.1914.

14.08.1914
Die „Emden“ wurde vom Schiffsverband zum Kreuzerkrieg entlassen. In Begleitung der „Markomannia“ fuhr die „Emden" in den Indischen Ozean zum Golf von Bengalen.

15.08.1914
Durch die Kriegserklärung Japans verlor Deutschland mit Tsingtau den einzigen deutschen Flottenstützpunkt in Ostasien.

19.08.1914
Ankunft auf der Insel Angaur, Kohleübernahme von der „Markomannia“

22.08.1914
Land in Sicht. Die Molukken-Inseln. Am Abend passierte die „Emden“ zum ersten Mal im Krieg den Äquator.

24.08.1914
Bei gutem Wetter steuerte die „Emden“ die Ostspitze der in portugiesischen Besitz liegender Insel Timor an. Die „Emden“ übernahm 420 Tonnen Kohle von der „Markomannia“.

25.08.1914
Die „Emden“ steuerte durch die Sunda-Inseln und passierte abends die Tiger-Inseln. Mit der Kriegserklärung Japans standen jetzt vier Großmächte und ein Teil der Balkanstaaten gegen Deutschland und Österreich-Ungarn.

27.8.1914
Tana Djampeja kam in Sicht, die Lombok-Straße wurde erreicht. Die „Emden befand sich im Indischen Ozean.

29.8.1914
Die Fahrt ging an der Küste der Insel Sumatra entlang. Erich Wöhner und die anderen Maschinistenmaate mussten an den Maschinen Reparaturarbeiten erledigen.

04.09.1914
Die „Emden“ fuhr in den Langini–Hafen ein. Ein landschaftlich schöner Hafen mit Tropenvegetation. Kohle wurde von der „Markomannia“ übernommen. Weil nur zwei Kessel beheizt wurden, war es eine Erleichterung für das Maschinenpersonal. (Deutschen Schiffen war es in den neutralen holländischen Gewässern nur erlaubt, einmal vierteljährlich Kohle zu bunkern.)

09.09.1914
Der Kreuzer steuerte den Dampferweg Colombo-Kalkutta. Ein Dampfer in Sicht. Klar Schiff zum Gefecht. Gemorst wurde: Griechischer Dampfer „Pontoporos“ mit 6.500 Tonnen indischer Kohle für die englische Regierung von Bombay nach Kalkutta. Die Ladung wurde als Bannware beschlagnahmt. Das griechische Schiff sollte gegen Entgeld in deutscher Charter fahren. Der griechische Kapitän stimmte zu.

10.09.1914
Ein weiteres Schiff wurde aufgebracht. Die „Indus“, ein britischer Dampfer auf dem Weg nach Bombay. Lebensmittel und Gegenstände wurden übernommen. Das Schiff wurde versenkt. Die Besatzung der „Indus“ wurden auf der „Markomannia“ verschifft. Die „Emden setzte mit der „Markomannia“ und der „Pontoporos“ die Reise nach Kalkutta fort.


11.09.1914
Der englische Dampfer „Lovat“ wurde aufgebracht. Die Mannschaft kam auf die „Markomannia“. Die „Lovat“ wurde versenkt.

12.09.1914
Der kleine deutsche Geleitzug war dem Kalkutter Feuerschiff näher gekommen. Zwei weitere englische Dampfer die „Kabinga“ und die „Killin“ wurden aufgebracht und folgten der „Emden“.

13.9.1914
Die „Killin“ wurde nach der Übernahme der Mannschaft versenkt. Ein weiterer britischer Dampfer, die „Diplomat“ mit 10.000 Tonnen Tee an Bord wurde aufgebracht und versenkt.

14.9.1914
Am Abend wurde der Dampfer „Kabinga“ entlassen mit den Besatzungen der „Lovat“ und der „Indus“ von der „Markomannia“. Ein weiteres Schiff wurde aufgebracht, der leere Kohlendampfer „Trabboch“. Die Besatzung kam auf die „Kabinga“ und das Schiff wurde versenkt. Ebenso wurde der britische Stückgutfrachter „Clan Matheson“ (4775 BRT) versenkt.

15.09.1914
Auf dem Weg zum Nordprepariskanal durch die Inselgruppe des Andemanen-Archipels.

16.09.1914
Kohlenübernahme von der „Pontoporos“ (440 to). Die „Pontoporos“ erhielt Befehle für die nächste Zeit. Sie wurde, weil sie für die „Emden“ zu langsam war, auf einen bestimmten Treffpunkt befohlen.
Kommandant der „Pontoporos“ wurde der 1.Offizier der „Markomannia“ und 14 Mann von der SMS „Emden“ als Wachmannschaft u.a. auch der Maschinistenmaat Erich Wöhner. (Namentliche Liste der Wachmannschaft siehe in R.K.Lochner „ Die Kaperfahrten des Kleinen Kreuzers „Emden“, Wilhelm Heyne Verlag München, 1979).
Die„Pontoporos“ fuhr aus dem Golf von Bengalen und hatte sich weisungsgemäß mit dem „Emden“-Begleitschiff „Markomannia“ bei den Simaloer Inseln getroffen, um sich zur Verfügung der „Emden“ zu halten.

12.10.1914
Bei den Simaloer-Inseln wurden die beiden Schiffe in holländischen Gewässern vom britischen Kreuzer „Yarmouth“ überrascht.
Die deutsche „Markomannia“ wurde von ihrer Besatzung versenkt, die griechische „Pontoporos“ wurde mit der deutschen Wachmannschaft (u.a. auch Erich Wöhner) und den Hapag Matrosen der „Markomannia“ sowie der deutschen Mannschaft der „Exford“ über Penang nach Singapur eingebracht und dort gefangen gesetzt. (Von dem weiteren Schicksal der „Emden“ am 09.11.1914 erfuhren die Gefangenen von der „Pontoporos“ zu diesem Zeitpunkt nichts.)

Der Hapag-Dampfer "Markomannia" unter Kapitän Faas


08.11.1914
Abgang von der „Emden“ zum Kohledampfer „ Exford“: Oberleutnant z.See d. Res. Julius Lauterbach und weitere 16 Besatzungsmitglieder der „Emden“. (Namen liegen vor)

09.11.1914 Die „Emden“ landete einen Kommandotrupp unter Führung des Ersten Offiziers Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke auf Direction Island (South Keeling, Cocos-Inseln) mit dem Auftrag, die Kabel- und Funkstation zu zerstören.. In dieser Situation wurde „Emden“ von dem australischen Kreuzer M:A:S: „Sydney“ überrascht. Sowohl gegen die überlegende Feuerkraft des feindlichen Schiffes als auch dessen stärkere Panzerung vermochte „Emden“ nichts auszurichten. Nach heldenhaftem Kampf setzte der Kapitän v. Müller sein brennendes und völlig zusammengeschossenes Schiff auf das Riff von North Keeling Island auf.
136 Mann der „Emden waren gefallen. Der von v. Mücke geführte Landungstrupp konnte auf dem 3-Mast-Marssegelschoner „Ayesha“ entkommen.

15.02.1915
Aufstand eines britisch-indischen Regiments in Singapur. Aufruhr in der Stadt. Die deutschen Gefangenen (u.a. Erich Wöhner und die anderen Besatzungsmitglieder der „Pontoporos“ und der „ Exford“) wurden von revoltierenden indischen Soldaten freigelassen. Nach einem Fluchtversuch wurden alle wieder eingefangen.

April 1915
Die deutschen Gefangenen wurden auf dem Dampfer „Montoro“ nach Australien gebracht. Während der Fahrt lief das Schiff auf Klippen und konnte nur mühsam geborgen werden. Sie wurden als Prisoner of war im Zivilgefangenenlager „Trial Bay“ im Staat New South Wales nördlich von Kempsey untergebracht.
Im Lager lernte Erich Wöhner den deutschen Zivilinternierten Josef Jurasek kennen. Dieser bat ihn, nach seiner Rückkehr in Deutschland seine Schwester Clara Jurasek zu grüßen.

Juli 1918
Das Gefangenlager „Trial Bay“ wurde geschlossen. Die Gefangenen wurden in das Lager „Holsworthy“ (Liverpool) gebracht und dort auf die Entlassung nach Deutschland vorbereitet. 1919 wurden insgesamt 6150 Internierte entlassen.

01.06.1919
Die Emden-Leute im australischen Lager „Holsworthy“, darunter auch der Obermaschinistenmaat Erich Wöhner, und andere Zivilinternierte konnten in Sydney an Bord des ehemaligen Transporters „Kursk“ gehen, der nach Europa fuhr.

21.07. 1919
Die „Kursk“ landete im Hafen von Rotterdam. Mit einem Internierten-Sonderzug wurden die Emden-Leute nach Deutschland gebracht.

Nachtrag
Erich Wöhner bestellte die Grüße von Josef Jurasek bei seiner Schwester Clara Jurasek. Er lernte sie in Berlin näher kennen und heiratet sie am 01.01.1922.
Im Jahre 1925 war Erich Wöhner Regierungs-Sekretär in Berlin. Sie wohnten zuerst in Berlin SO36, Glogauerstraße 25, dann in Berlin-Wilmersdorf, Kahlstraße 13 als Regierungs-Obersekretär und ab 1940 in einem Eigenheim in Schöneiche bei Berlin, Heuweg 16.
Am 23. April 1945, nach dem Einmarsch der Roten Armee, starben Erich Wöhner-Emden und seine Frau Clara durch Freitod.

Die Überlebenden der „Emden“ hielten zunächst im „Emden-Verein“ dann in der Marinekameradschaft „Emden“ miteinander Verbindung.
Ende 1914 kamen erste Bemühungen in Gang, die Überlebenden der „Emden“ auf besondere Weise zu ehren.

Durch Verfügung der preußischen Regierung erhielten sie das Recht, den Zusatz „Emden“ ihrem Familiennamen hinzuzufügen. Diese Initiative hatte im Dschungel der verwaltungsrechtlichen Vorschriften und Kompetenzen mancherlei Schicksal, führte jedoch dazu, dass nach dem 1.Weltkrieg den über hundert ehemaligen Überlebenden der ehrenvolle Namenszusatz verliehen werden konnte.

Aus Erich Wöhner wurde Erich Wöhner-Emden

Im Jahr 1933 ordnete das Preußische Ministerium des Inneren an, dass Karl August Erich Wöhner fortan den Familiennamen Wöhner-Emden trägt. (Klicken zum Vergrößern)


1927 und 1937 wurde durch die Emden-Kameradschaft ein Anschriftenverzeichnis herausgegeben. Nach Kontakt mit dem Marinemuseum in Wilhelmshaven liegen diese Verzeichnisse auszugsweise vor. In beiden Verzeichnissen wird Erich Wöhner-Emden als Obermaschinistenmaat geführt. Wahrscheinlich hat er diese Beförderung im Zusammenhang mit Abkommandierung von der „Emden“ auf die „Pontoporos“ erhalten.
(Unverständlich für den Verfasser ist, dass Erich Wöhner-Emden (Nachfrage bei der Emden-Familie im Mai 2007, Aussage von Herrn Maaß-Emden) unbekannt ist und nicht in der Anschriftenliste aufgeführt ist.)

Internierung in Australien

Das nachstehende Foto wurde im Gefangenenlager „Trial Bay“, an der Nordküste von Neu-Süd-Wales in Australien aufgenommen. [V2/10/25,26, LL/T73 (88) Trial Bay Box File]. Es stammt aus dem Nachlaß von Erich Wöhner-Emden und wurde von Ute Lahme zur Verfügung gestellt.
Es sind überwiegend Besatzungsmitglieder der „Emden“, die vor dem 9.November 1914 zu den Kohledampfern „ Pontoporos“, „Exford“ und anderen Hilfsschiffen der „Emden“ abkommandiert wurden, aber auch Besatzungsmitglieder der Emden, die den Kampf am 9. November 1914 verwundet überlebten und in Gefangenschaft nach Australien kamen.

(Klicken zum Vergrößern)

Auf diesem Foto sind folgende Emden-Besatzungsmitglieder abgebildet:
(sitzend von links):
MICHULETZ, Torpedomaschinistenmaat (Pontoporos). KLEIN, Paul, F.T. Maat (Exford). OTTIGER, Hermann, Bootsmannsmaat (Exford). FEUKERT, Kurt, Obersignalgast. ADEN, Heyo, Obermaschinistenmaat. WÖHNER, Erich, Obermaschinistenmaat (Pontoporos). BORDEAUX, Franz, Marinezahlmeisterapplikant (Markomannia). LEHNIGK, Richard, Obermaschinistenmaat (Pontoporos). HARTUNG, Fritz, Artillerieobermechanikermaat. OLSCHEWSKI, Emil, Maschinistenmaat (Exford). REDLICH, Willy, Steuermannsmaat. SIAT, Ludwig, Maschinistenmaat (Exford).
(zweite Reihe von links):
WINTER, Heizer. WAHLMANN, Matrose (Exford). KAMMER, Oberheizer. SAAKE, Ernst, Heizer (Pontoporos). DOLEZYCH, Matrose (Pontoporos). KERN, Eugen, Heizer, Kriegsfreiwilliger (Exford). STEIDEL, Theodor, Heizer. HUBER,Wilhelm, Torpedomatrose (Exford). HUCH, Otto, Heizer. DAAMS, Josef, Oberheizer. GUHRACK, Otto, Heizer. FRÜCHTNICHT, Richard, Obermatrose d.Reserve (Pontoporos). ROHDE, Matrose (Pontoporos). ECKSTEIN, Heizer. KÖHLER, Gustav, Matrose. HILGENSTOCK, Fritz, Torpedo-Oberheizer. MISCHEL, Fritz, Torpedooberheizer.
(obere Reihe von links):
PATZIG, Friedrich, Matrose (Pontoporos). KLIENT, Heizer, Kriegsfreiwilliger (Exford). KAISER, Heizer, Kriegsfreiwilliger. ENGEL, Wilhelm, Matrose (Pontoporos). PIDUCH, Matrose (Exford). BECKER, Hans, Heizer (Pontoporos). HEINRICH, Otto, Heizer, Kriegsfreiwilliger (Exford). LINNEMANN, Wilhelm, Heizer. KLEIN, Oberheizer.

Während des Ersten Weltkrieges wurden 6890 Deutsche interniert, von denen 4500 vor 1914 in Australien wohnhaft waren. Die übrigen waren Seeleute von deutschen Kriegsschiffen oder Handelsschiffen, die von australischen Behörden in australischen Häfen bei Kriegsausbruch verhaftetet wurden, oder sie waren deutsche Staatsbürger, die in britischen Territorien in Süd-Ost-Asien wohnten, und die auf Wunsch der britischen Regierung nach Australien transportiert wurden. Einige Internierte waren Besucher, die hier vom Kriegsausbruch überrascht wurden.
Ungefähr 1100 der Gesamtzahl waren Staatsbürger des Österreichisch-Ungarischen Reiches, und von ihnen waren etwa 700 Serben, Kroaten und Dalmatiner aus Österreich- Ungarn, die in den Bergwerken von West Australia arbeiteten.

Lage der australischen Gefangenenlager


Bald nachdem der 1. Weltkrieg ausbrach, musste die australische Regierung Unterbringung für die große Anzahl aufstellen, die interniert wurden. Deshalb wurden in allen sechs Bundesstaaten Konzentrationslager etabliert. Diese Idee wurde zum ersten Mal im südafrikanischen Burenkrieg 1899-1902 von der britischen Regierung eingesetzt. In drei Staaten (Tasmanien, Südaustralien und Westaustralien) waren sie auf Inseln nicht weit von der Hauptstadt.
Bis Ende Mai 1915 waren fast 3000 Menschen interniert:
Enoggera, Queensland (Vorort von Brisbane): 137
Holdsworthy, NSW (südöstlich von Liverpool): 1342
Langwarrin, Viktoria (südöstlich von Melbourne): 420
Torrens Island, S.A. (im Hafen von Adelaide): 355
Rottnest Island, W.A. (Indischer Ozean, bei Fremantle): 628
Bruny Island, Tasmania (südlich von Hobart): 58

Eingang des Internierungslagers "Trial Bay"


Zwei Monate später traf die Regierung die Entscheidung, diese regionalen Lager zu schließen und die Internierten in Konzentrationslager in Neu-Süd-Wales zu versetzen. Vielleicht hat sie diese Entscheidung getroffen, um Kosten zu sparen (so mussten zum Beispiel alle australischen Soldaten bezahlt werden, die in den Lagern als Wächter arbeiteten), um die Kommunikation zwischen den Lagern und dem Hauptquartier in Melbourne zu erleichtern und um sicher zu sein, dass alle Wachsoldaten die Gefangenen nach den Richtlinien behandelten. Es gab Beschwerden, dass auf Rottnest Island oft Bajonette gegen Internierte benutzt wurden. In Bruny Island waren die Gefangenen in den Streik getreten, und die Regierung hatte wegen eines Skandals, in dem Gefangene auf Torrens Island gepeitscht wurden, eine Untersuchungskommission eingerichtet.

Internierungslager "Holsworthy" bei Sydney


Für diese Zentralisierung der Internierten wurde das Holdsworthy-Lager sehr vergrößert, und zwei Sonderlager wurden auch in Neu-Süd-Wales gegründet, beide in Gefängnissen, die nicht mehr gebraucht wurden. Das erste Sonderlager in Berrima (130 km südwestlich von Sydney auf der südlichen Hochebene), war haupsächlich für Schiffsoffiziere und Seeleute, und das Lager in Trial Bay (an der Nordküste von Neu-Süd-Wales) war für etwa 500 Internierte, die überwiegend aus britischen Territorien in Süd-Ost-Asien und den Pazifischen Inseln deportiert worden waren. (Unter anderem auch für Besatzungsmitglieder der „Emden“, die auf Hilfsschiffen für die „Emden" Dienst taten - Einfügung v. G Wöhner)
Es gab auch ein Familienlager in Bourke im Nordwesten von NSW für überseeische Internierte mit Frauen und Kindern und einigen weiblichen Verwandten. Für viele Internierte war die lange Reise von ihrem regionalen Lager zu ihrem neuen Lager in NSW unangenehm. Viele beschwerten sich über die grobe Behandlung durch die Polizei oder die Militärbeamten. Während ihrer Bahnreise waren viele in Handschellen. Es war sicher nicht angenehm, in der Öffentlichkeit wie Kriminelle behandelt zu werden. Das Gepäck von vielen Gefangenen ging unterwegs verloren und es wurde auch Gepäck aufgebrochen und Sachen gestohlen.

In den Lagern, in denen auch die deutschen Seeleute waren, organisierten die Internierten ihre eigene Unterhaltung und viele kulturelle und sportliche Veranstaltungen. Sie bildeten Chöre und Orchester und veranstalteten Theateraufführungen. In Trial Bay dirigierte Dr. Maximilian Herz viele erfolgreiche Aufführungen. Unter anderem die vielbeachtete 5. Sinfonie von Ludwig van Beethoven. (In diesem Orchester spielte auch der Cellist Josef Jurasek mit. Er war in dem Lager mit dem Besatzungsmitglied der „Emden“ Erich Wöhner befreundet und bat diesen nach seiner Entlassung 1919 seine Schwester Clara Jurasek in Berlin zu grüßen. Erich Wöhner lernte Clara Jurasek kennen und heiratete sie 1922 - Einfügung v. G. Wöhner)

In Berrima bauten die Gefangenen Seeleute viele verschiedene Bootsmodelle und hatten Regatten und Bootsausstellungen auf dem Wingecarribee-Fluß. Bei einer Ausstellung im Jahre 1918 war die australische Bevölkerung überrascht, als sie eine venezianische Gondel, ein maßstabgetreues Modell des Segelschulschiffes „ Preußen“, eine chinesische Dschunke und ein U-Boot sahen. Die Berrima-Gefangenen durften durch ihre Arbeit auf örtlichen Farmen Geld verdienen.
Das Lager Trial Bay ist heute eine Gedenkstätte mit einem angeschlossenen Museum. In den Namenslisten stehen auch viele deutsche Namen, manche sind mit einem Sterbedatum versehen.