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Der Kleine Kreuzer S.M.S. EMDEN hat sich im Ersten Weltkrieg bei Freund und Feind hohes Ansehen erworben. Das ist zum größten Teil seinem Kommandanten, Fregattenkapitän Karl von Müller, zu verdanken. Die Geschichte des Schiffes, das im Indischen Ozean auf Kaperfahrt war, ist in der Tat einmalig.

SMS EMDEN mit Tropenanstrich in Kiel (links) und im KAISER-WILHELM KANAL (April 1910).
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Ausreise nach Ostasien

Elf Tage nach der Indienststellung (1. April 1910) brach die SMS EMDEN von Kiel aus nach Ostasien auf. Die Fahrt dorthin verlief in westlicher Richtung. Am 10. Mai 1910 ankerte sie vor Montevideo, der Hauptstadt Uruguays. Anschließend war sie mit dem Kleinen Kreuzer SMS BREMEN bei der 100-Jahr-Feier der argentinischen Unabhängigkeit in Buenos Aires zugegen. Die EMDEN setzte ihre Fahrt über Punta Arenas (Magellanstrasse), Valparaiso und Talcahuano (Chile) fort. Am 24. Juni 1910 begann von dort die Überquerung des Pazifiks. Über die Osterinsel und Papeete (Insel Tahiti), erreichte die EMDEN am 22. Juli 1910 die Reede von Apia (Insel Samoa), wo sie dem Kreuzergeschwader (damals Konteradmiral Gühler) unterstellt wurde. Am 17. September 1910 traf die EMDEN in Tsingtau, ihrem künftigen Stützpunkt, ein.

Friedenseinsätze

Von Tsingtau aus unternahm die EMDEN – teils allein, teils mit anderen Schiffen des Geschwaders – in den folgenden vier Jahren diverse Fahrten. Da war im Januar 1911 der Einsatz bei der Insel Ponape (heute Pohnpei/Mikronesien), wo sie mit SMS NÜRNBERG den Aufstand der Dschokadsch niederschlug. Es folgten Stationärsdienste in Shanghai sowie Besuche der Inseln Yap (Karolineninseln) und Neuguinea. Im August 1913 kam es in China zu Unruhen. Die EMDEN wurde zum Schutz deutscher Handelsschiffe nach Nanking am Jangtsekiang befohlen. Am 25. August 1913 lief sie den Fluss bis nach Hankau hinauf, wo sie von Land aus beschossen wird. Die EMDEN erwiderte das Feuer, bis die Rebellen aufgaben. Zu Beginn des Jahres 1914 wurde Japan besucht. Anschließend ging es nach in Tsingtau ins Trockendock. Es sollte der letzte Werftaufenthalt des Schiffes sein. Im Frühjahr 1914 fanden in der Bucht von Tsingtau Gefechtsübungen statt.
Anfang Juni 1914 erfolgte der letzte routinemäßige Austausch der einen Besatzungshälfte. Mit dem NDL-Dampfer PATRICIA waren neue Männer aus Deutschland gekommen. Der abgelöste Teil fuhr mit ihm in die Heimat zurück. Mit der Ermordung des österreichischen Thronfolgers am 28. Juni 1914 in Sarajewo zogen die Gefahren eines Krieges mehr und mehr auf.

Die Mobilmachung

Der Befehl zur Mobilmachung gegen Russland erreichte die EMDEN am 2. August 1914. Sie hatte Tsingtau bereits zwei Tage zuvor verlassen und nahm Kurs auf die Tsushima Strasse, um einen Vorstoß in Richtung Wladiwostok zu unternehmen. Zwei Tage später konnte das erste Handelsschiff gekapert werden. Es handelte sich um den russischen Dampfer RJÄSAN, welcher nach Tsingtau zurück gebracht und dort zu einem Hilfskreuzer umgerüstet wurde. Auf dem Rückmarsch begegnete man um Haaresbreite einem französischen Flottenverband.

"Emden nimmt als erste Prise den russ. Postdampfer Rjäsan. 4. August 1914, 7.30 am"
Zeichnung: Hugo Plötz-Emden.
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Am Abend des 6. August 1914 lief die EMDEN, mit dem Hilfskreuzer SMS PRINZ EITEL FRIEDRICH, dem Torpedoboot S 90 sowie dem HAPAG-Dampfer MARKOMANNIA (HAPAG) aus Tsingtau aus. Man unternahm einen Aufklärungsvorstoß nach Nordosten um das Kap Yatau. Von dort wurde die S 90 am nächsten Morgen wieder zurück gesandt. Die EMDEN lief mit den übrigen Schiffen zur Insel Pagan (Nördliche Marianen), um dort das Kreuzergeschwader zu treffen.

Zeichnung: Hugo Plötz-Emden.
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Am Nachmittag des 12. August 1914 kam Pagan in Sicht. Das Troßschiff TITANIA empfing die EMDEN und führte sie in Bucht im Nordosten der Insel. Dort lag das Geschwader von Vizeadmiral Graf Spee. Es setzte sich aus den Großen Kreuzern SMS SCHARNHORST und SMS GNEISENAU, dem Kleinen Kreuzer SMS NÜRNBERG und diversen Frachtern zusammen. Bei einer Konferenz mit dem Admiral kam es zu der Idee, die EMDEN zum alleinigen Kaperkrieg in den Indischen Ozean zu schicken.

Zeichnung: Hugo Plötz-Emden.
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Die EMDEN wurde am Morgen des 14. August 1914 aus dem Verband entlassen, um im Indischen Ozean selbständig Kreuzerkrieg zu führen. Ihm wurde der Dampfer MARKOMANNIA als Versorger zur Seite gestellt.
Was mit dem Ostasiengeschwader weiter geschah, erfahren Sie hier [1.768 KB] anhand zweier Tagebuchseiten.

Kaperfahrt

Vier Wochen später erreichte die EMDEN den Golf von Bengalen. Es begann ein einsamer, überaus erfolgreicher Kaperkrieg, fern der Heimat und ohne jeden Stützpunkt. Das Schiff, die Besatzung und der Kommandant machten sich einen besonderen Namen bei Freund und Feind. Die Art und Weise wie Karl von Müller mit den Besatzungen der aufgebrachten Schiffe umging, brachte ihm später den Namen "Gentleman of the war" ein. Die Kreuzerkriegführung der SMS EMDEN galt in der ganzen Welt als bestes Beispiel für Tatkraft und Ritterlichkeit im Krieg.

Außer, dass die EMDEN in den Monaten September und Oktober 1914 insgesamt 16 Schiffe mit ca. 70.000 BRT versenken konnte, unternahm sie noch zwei bemerkenswerte Vorstöße. Am 22. September 1914 näherte sie sich nachts dem indischen Hafen von Madras (heute Chennai), und schoss die dortigen Öltanks in Brand. Unangefochten entkam der Kreuzer. Am frühen Morgen des 28. Oktober 1914 drang er unbemerkt auf die Reede von Penang (Malaysia) vor, wo er den russischen Kreuzer SCHEMTSCHUG versenken konnte. Bei der anschließenden Flucht kam ihm der französische Zerstörer MOUSQUET in die Quere, welcher nach kurzem Gefecht ebenfalls versenkt wurde. Darüber hinaus wurden zwei weitere Schiffe als Prisen aufgebracht.

"Emden vor Madras am 22. Sept. 1914."
Zeichnung: Otto Mönkedieck-Emden.
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"Emden versenkt am 28.10.1914 den russ. Kreuzer SCHEMTSCHUG und den franz. Torpedobootszerstörer MOUSQUET in Penang."
Zeichnung: Hugo Plötz-Emden.
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Der 9. November 1914

Am 9. November 1914 ereilte die EMDEN ihr Schicksal. Morgens näherte sie sich der Insel Direction Island (Cocos-Inselgruppe), um eine dort befindliche britische Funkstation zu zerstören. Ein Landungszug unter der Führung des IO, Kapitänleutnant von Mücke, wurde hierfür ausgesandt, da der Kommandant unnötige Opfer durch einen Artilleriebeschuss von See aus verhindern wollte. Gegen 08.45 Uhr kamen Rauchwolken in Sicht, die man erst später dem australischen Kreuzer HMAS SYDNEY zuordnete.

Um 9.20 Uhr wurde das Landungskorps zurückgerufen und man begann die Anker zu lichten. Doch der IO und seine 49 Männer erreichten ihr Schiff nicht mehr rechtzeitig. Die EMDEN musste die Reede schleunigst verlassen, um Raum für ein Gefecht zu haben. Um 09.40 Uhr begann das Gefecht, welches in den ersten Minuten gut für die EMDEN verlief. Die SYDNEY erhielt einige Treffer und benötigte einige Zeit, sich einzuschießen. Doch dann wendete sich das Blatt und die EMDEN wurde in den nächsten 90 Minuten schwer beschädigt. Nachdem alle Geschütze ausgefallen waren und an Bord viele Gefallene und Verwundete zu beklagen waren, setzte von Müller sein Schiff auf ein Riff vor North Keeling Island auf, wo es brennend liegen blieb. Damit verhinderte er den Untergang und rettete den übrigen, zum Teil unter Deck eingeschlossenen, Männern das Leben. Anschließend nahm die SYDNEY die Verfolgung des in der Nähe kreuzenden Kohlenschiffes BURESK auf. Es wurde eingeholt und die deutsche Prisenbesatzung leitete die Selbstversenkung ein. Mit den Rettungsbooten im Schlepp kehrte die SYDNEY zum Wrack der EMDEN zurück, wo sie um 16.30 Uhr zum Entsetzten der Deutschen, erneut das Feuer eröffnete. Dabei gab es wieder einige Tote und Verwundete zu beklagen. Nachdem die Kriegsflagge aus dem Mast geholt und ein weißes Tuch gezeigt wurde, hörte der Beschuss auf.

Insgesamt wurden auf der EMDEN bei dem Gefecht sieben Offiziere, ein Marine-Oberzahlmeister, vier Deckoffiziere, 25 Unteroffiziere, 92 Mannschaften, zwei Zivilbedienstete und drei chinesische Wäscher der Emden getötet. Ein Deckoffizier, drei Unteroffiziere und 17 Mannschaften wurden schwer, zwei Offiziere, drei Deckoffiziere, neun Unteroffiziere und 31 Mannschaften leicht verwundet. 182 Mann wurden von der HMAS SYDNEY aufgenommen. Diese hatte drei Gefallene und 13 Verwundete zu beklagen gehabt.

Der Landungszug unter Führung des IO von Mücke konnte am Abend mit dem beschlagnahmten Segler AYESHA entwischen. Auf abenteuerlichen Wegen zu Wasser und zu Lande, gelangte er nach über sechs Monaten nach Konstantinopel (heute Istanbul), wo er auf Verbündete traf. Mehr dazu hier.

Der Weg in die Gefangenschaft

Am Mittag des 10. November sandte die SYDNEY endlich ihre Boote zum Wrack der EMDEN. Ein australischer Offizier überbrachte von Müller einen Brief von seinem Kommandanten. Dessen Inhalt verrät uns etwas über den damaligen Umgangston.

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Grobe Übersetzung:
"Mein Herr!
Ich gebe mir die Ehre, Sie im Namen der Menschlichkeit aufzufordern, mir Ihr Schiff zu übergeben. Als Beweis meiner Hochschätzung Ihrer Tapferkeit darf ich die Lage wie folgt zusammenfassen:
(1) Ihr Schiff ist aufgelaufen. 3 Schornsteine und ein Mast sind umgestürzt, die meisten Geschütze unbrauchbar.
(2) Sie können diese Insel nicht mehr verlassen. Mein Schiff ist intakt.
Wenn Sie sich ergeben, was für Sie - wie ich mir erlauben darf Ihnen vor Augen zu führen - keine Schande, sondern lediglich ein Unglück darstellte, werde ich versuchen, alles für Ihre Kranken und Verwundeten zu tun und diese in ein Krankenhaus zu überführen.
Ich gebe mir die Ehre, mein Herr,
als Ihr gehorsamer Diener
(John A. Glossop)
Captain

Im Laufe des 10. November 1914 wurden alle Überlebenden vom Wrack und am Folgetag all jene, die sich auf die Insel gerettet hatten, übernommen. Vier Tage später traf die SYDNEY in Colombo (Sri Lanka, ehem. Ceylon) ein. Die Verwundeten Deutschen kamen bis zu ihrer Genesung in das Diyatalawa Camp. Im Jahr 1915 brachte man sie nach Australien, wo sie bis Mai 1919 in diversen Gefangenenlagern (u.a. Berrima, Holsworthy in New South Wales) lebten. Die unverletzten Deutschen gelangten mit zwei Transportern am 2. Dezember 1914 nach Port Said (Ägypten). Dort wechselten sie auf den Panzerkreuzer HMS HAMPSHIRE, der die EMDEN auf ihrer Kaperfahrt so lange vergeblich verfolgt hatte. Vier Tage später erreichte er die Insel Malta. Die Offiziere kamen in die Verdala Barracks, die Übrigen in das Zeltlager St. Clemens. Im Januar 1915 ging es in das Fort Salvatore. Drei Jahre später verlegte man die Gefangenen wieder nach St. Clements. Genau fünf Jahre nach der Ankunft in Malta, am 6. Dezember 1919, wurden die Deutschen schließlich entlassen. Mehr dazu hier.

Das Eiserne Kreuz:

Zahlreiche Ehrungen wurden dem Schiff und seiner Besatzung zuteil. Das Eiserne Kreuz, welches auch nachfolgende Kriegsschiffe mit dem Namen EMDEN zierte, erinnerte an den Ruhm der SMS EMDEN.

Zahlreiche Ehrungen wurden dem Schiff und seiner Besatzung zuteil. Das Eiserne Kreuz, das nachfolgende Kriegsschiffe dieses Namens ziert(e), steht als Erinnerung an den Ruhm der SMS Emden.

Der Kommandant, Karl von Müller, erhielt die Ehrenbürgerschaft der Stadt Emden.
Die Überlebenden des letzten Gefechtes erhielten das Recht, den vererbbaren Namenszusatz "Emden" anzunehmen.

Dokumentarfilm

Im Jahr 2006 wurde ein Dokumentarfilm über die SMS EMDEN gedreht

Herzlichen Dank an Herrn Michael Börner aus Berlin, welcher uns den Nachlass von Hugo Plötz-Emden zur Verfügung stellte.