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Anders als der Kleine Kreuzer Emden machte der Leichte Kreuzer „Emden", auch „Emden III" genannt, durch friedliche Aktivitäten auf sich aufmerksam. Es war der erste deutsche Kreuzerneubau nach dem Ersten Weltkrieg und das erste größere Kriegsschiff, welches fast vollkommen geschweißt war. Aufgrund des Versailler Vertrages konnte das Schiff nicht mit der damals neuesten und schweren Bewaffnung ausgestattet werden. So wurde es schon vor der Fertigstellung nicht für kriegerische Einsätze vorgesehen, sondern als Schulschiff eingesetzt. Von 1926 bis 1938 entwickelte es eine umfangreiche Reisetätigkeit über die Weltmeere.

Ein weiteres besonderes Ereignis war die Feststellung einer größeren Wassertiefe, am 29. April 1927 im Philippinengraben, als bis dahin bekannt. Wolfgang Schumann aus Emden hat der Geschichte nachgespürt und stieß auf Berichte des damaligen Navigationsoffiziers,
Korvettenkapitän Adalbert Schüssler.

Die erste Ausbildungsreise begann am 14. November 1926 und endete nach rund 40.000 Seemeilen am 14. März 1928. Sie führte einmal rund um die Welt. Über diese Reise berichtete der damalige Navigationsoffizier, Korvettenkapitän Adalbert Schüssler in langen Fortsetzungen, die er zeitnah den Tageszeitungen zur Verfügung stellte. Man kann davon ausgehen, dass seine Berichte über die zahlreichen Landbesuche rund um den Globus auf großes Interesse stießen. Fernsehberichterstattungen über fremde Länder und Sitten gab es zur damaligen Zeit ja noch nicht. Die Route führte zunächst über spanische Häfen zu den Kanaren-Inseln Lanzarote, Gran Canaria und Teneriffa. Im Hafen Las Palma auf Gran Canaria taufte der Schiffspastor fünf Kinder und konfirmierte zwei.

Am Neujahrstag 1927 überquerte das Schiff zum ersten Mal auf dieser Reise den Äquator. Weil die „Emden" ein Ausbildungsschiff war, bestand die Besatzung vorwiegend aus Marinesoldaten, die ihre erste Seereise mitmachten. So standen mehr als 500 Äquator-Täuflinge an.



Adalbert Schüssler berichtete:

Das neue Jahr wird mit der Linientaufe gleich würdig eröffnet. Vormittags gehen schon allerhand viel versprechender Vorbereitungen an Bord vor sich.
Ein riesiges Badesegel wird an Backbordmitteldeck mit einem kleinen Ozean Wassers gefüllt, dahinter ein Windsack längs Deck gespannt und eine Reihe Feuerlöschschläuche konzentrisch auf den Taufplatz klargelegt.

2 Uhr nachmittags. Gleich müssen wir den Äquator passieren. Zum würdigen Empfang Neptuns sind die Divisionen angetreten. Da erhebt sich vorne eine fürchterliche Katzenmusik. Von der Back her marschiert ein phantastischer Zug, vorneweg Neptuns Kapellmeister mit acht schwarzen Musikern, barfuß beinahe bis zum Hals. Dann Neptuns Achtung gebietende Gestalt mit Krone und Dreizack, neben ihm seine Gemahlin Thetis, auf das naturgetreueste mit Bordmitteln hergestellt, sodass man sich glatt in sie verlieben muss...

Und so ging die Taufe vor sich. Der 1. Offizier
Hans-Herbert Stobwasser eröffnete den Reigen, ihm nach die endlose Reihe der Täuflinge:
Erst aufs Badesegel gesetzt, Pillen (aus Pfeffer und Salz mit Petroleum als Bindemittel gedreht) geschluckt, mit einer Riesenzange der altback'sche Zahn gezogen, unter lautem Knall einer meterlangen Spritze eine Ladung in Brust verabreicht, dann klatschte der Rasierpinsel eine Ladung gemischter Ingredienzien ins Gesicht, eifrig kratzte der Barbier mit einem halbmeterlangen Holzmesser rechts und links den Schaum ab und - plumps - hintenüber rissen kräftige Negerfäuste den Delinquenten ins Badesegel, wo er paar Mal untergetaucht wurde.


Auf der Rückseite dieses Bildes ist vermerkt: "Vor Lissabon. Sonntag morgens 11 Uhr am 2. Dez. 1926".
(Anmerkung: Es war Sonntag der 28. November 1926. Vermutlich wurde die Aufnahme von der SMS HANNOVER gemacht. Siehe hierzu S. 22/23 in DIE WELTREISE DER NEUEN EMDEN von Hans Erdmenger)

Das nächste Ziel war die Insel St. Helena, der Verbannungsort Napoleons. Von dort ging es weiter nach Kapstadt. Hier gab es einen Zwischenfall, der von der Nachrichtenagentur Reuters verbreitet und später durch die deutsche Marineleitung ins rechte Licht gerückt wurde. Der Name „Emden" hatte an der Südspitze Afrikas einen besonderen Klang, sodass eine große Menschenmenge das Schiff besichtigen wollte. Es bestand die Gefahr, dass durch die nachdrückenden Menschen der hinteren Reihen, die vorne stehenden Menschen zwischen Kaimauer und Schiff ins Wasser gedrückt wurden. Daraufhin ließ der Kommandant des Schiffes, Kapitän zur See Richard Förster, mit Schlauchspritzen Wasserstrahlen auf die mittleren und hinteren Reihen richten. Die Wartenden wurden somit unsanft zurückgedrängt, was aber in Abstimmung mit dem Hafenamt geschah, um eine Katastrophe zu verhindern.

Nach mehrtägigem Aufenthalt in Kapstadt ging es weiter um das Kap der Guten Hoffnung in den Indischen Ozean. An den Comoren-Inseln vorbei nach Sansibar ging es weiter zu den Seychellen und den Malediven. Damit hatte man jenes Seegebiet erreicht, in dem die erste „Emden" Jahre vorher operierte. Hier bei den Malediven konnte sich SMS „Emden" seinerzeit, mit Geschick und Glück, der Verfolgung des englischen Panzerkreuzers „Hampshire" entziehen. Die Fahrt der „Emden III" führte weiter zur Nordspitze Sumatras. Das Gebiet ist uns heute durch die große Tsunami-Katastrophe bekannt. Die vor Aceh liegende Insel Pulo We mit dem Naturhafen Sabang wurde am 1. März zur Brennstoffergänzung angesteuert. Hier schildert Schüssler die Eindrücke der Insel in der damaligen Sprache und Sichtweise.

Glaubten wir schon in Afrikas Häfen bei der Bevölkerung ein buntes Durcheinander von Rassen gesehen zu haben, so war es hier, wo die wichtigsten Schifffahrtslinien nach dem fernen Osten vorbeilaufen, noch bunter und konnte an Mannigfaltigkeit nur noch durch ein deutsches Kriegsgefangenenlager aus dem Weltkrieg übertroffen werden.
Zierliche Japanerinnen stehen neben derben Holländerinnen, behoste Chinesinnen klappern mit ihren Stöckelschuhen auf dem Kai, während ihre bezopften Ehegatten in rührender Sorgfalt die kleinen Kinder betreuen; diese tragen vielfach einen niedlichen Schellenring um den Fuß, damit die Eltern sofort wissen, wenn eines ihrer zahlreichen und daher schwer zu beaufsichtigen Kinder ihnen ausrückt.
Zu alledem gesellen sich stattliche Singalesen, würdige Araber, schnatternde Neger und malayische Händler, die unermüdlich ihre Waren vor dem Schiff feilbieten.
Es macht diesem Völkergemisch sicherlich Freude, als es abends von unserer Kapelle in die Geheimnisse deutscher Militärmärsche und Wiener Walzer eingeweiht wird.


Von Sabang aus ging es, an der Westküste Sumatras entlang und an der Insel Simaloer vorbei, nach Padang. Am 5. März wur-de in Emmahaven festgemacht. Auch hier waren den Einheimischen die Taten der ersten „Emden" noch gut in Erinnerung. Nachdem SMS Emden im Gefecht bei den Cocos-Inseln unterlegen war, hatte ihr Landungskorps, unter Führung des Kapitänleutnants von Mücke – nach einer Seereise von über 700 Seemeilen – Emmahaven mit dem Schoner „Ayesha“ erreicht. Kein Wunder, dass, in Erinnerung an diese Leistung, die Besatzung der „Emden III" hier besonders freundlich aufgenommen wurde.

Am 13. März verließ die „Emden IIl" Padang in Richtung Cocos-Inseln, um das Grab der ersten „Emden" zu ehren. Bereits am 15. März erreichte man die Position, an der der Kleine Kreuzer nach dem verlorenen Gefecht mit dem australischen Kreuzer „Sydney" aufs Korallenriff gesetzt wurde. Es bestand die Absicht, einen Kranz am Wrack anzubringen. Da sich jedoch keine Landestelle finden ließ, wurde der Kranz nach einer Gedenkfeier für die 134 gefallenen Marinesoldaten etwa 1000 Meter vom Grab der „Emden" entfernt versenkt. An den Magistrat der Patenstadt Emden sandte der Kommandant folgendes Telegramm:

„Am Heldengrab erster Emden in stiller Feier vereint, gedenken der Patenstadt Kommandant, Offiziere
und Besatzung Kreuzer Emden“.

Von den Cocos-Inseln aus steuerte die „Emden III" mit Nordostkurs durch die Sundastraße der Nordseite Javas entgegen.
Weiter ging es nach Bali und von dort zur Insel Celebes, immer verbunden mit längeren Landaufenthalten. Es wird auch von
einer Krokodiljagd im Landesinnern berichtet. Weiter ging es zur Philippineninsel Mindanao, deren Südspitze am 28. April er
reicht wurde. Nun begann das Erforschen des Meeresgrundes und die Suche nach der größten je gemessenen Meerestiefe, welche schließlich zur Ortung des Emdentiefs führte. Hier vermerkt Korvettenkapitän Schüssler:

An der Ostküste Mindanaos entlang steuern wir das Planettief an, eine von dem Vermessungsschiff Planet vor dem Kriege mit dem Lotdraht festgestellte Wassertiefe von 9788 Meter. Ihre Nachprüfung mit dem Echolot war unsere Aufgabe, da die fremden Seekarten sie noch nicht aufgenommen hatten. 6 Stunden lang überfuhren wir am 29. April unter ständigem Loten mit dem Echolot, etwa alle 20 Sekunden ein Lotwurf, die angegebene Stelle und Umgebung und stellten etwa 10 Seemeilen südlich vom Planettief mehrmals Wassertiefen von über 10.000 Metern, bis zu 10.290 Meter fest, meines Wissens die bisher erreichte größte Wassertiefe auf der Erde. Es ist doch ein eigenartiges Gefühl, alle paar Sekunden vom tiefsten Punkt des Weltmeeres auf eine bestimmte Anfrage eine ebenso prompte Antwort zu erhalten, wie sie einem der Kopfhörer des Echolotes vermittelt.

Die offizielle Meldung wurde am 5. Mai 1927 von Wolf Telegrafen Büro Berlin bekannt gegeben und anschließend in den Tageszeitungen veröffentlicht:

Die Marineleitung teilt mit: Auf dem Wege von Makasar (Celebes) nach Nagasaki hat Kreuzer Emden, wie er soeben funktelegrafisch meldet, bei der Nachprüfung des Planettiefs eine Tiefe von 10.430 Metern gelotet. Er hat damit die größte bisher bekannte Meerestiefe entdeckt.


Die Lage des Emdentiefs bei den Philippinen (Klicken zum Vergrößern)


24 Jahre hielt der Tiefenrekord der „Emden". Erst 1951 entdeckte das englische Forschungsschiff „Challenger" im Marianengraben eine Tiefe von 10.899 Metern. 1957 konnte das russische Vermessungsschiff „Witjas" im Marianengraben eine Stelle von 11.034 Metern lokalisieren. Das „Emden-Tief" rangiert seither an zehnter Position.

Die Meerestiefen

Rang Name Tiefe Ort
1 Wietjastief 11.034 Meter Marianengraben
2 Triestetief 10.916 Meter Marianengraben
3 Challengertief 10.899 Meter Marianengraben
4 Wietjastief 10.882 Meter Tongagraben
5 Horizontief 10.647 Meter Tongagraben
6 Ramagotief 10.554 Meter Japangraben
7 Wietjastief 10.542 Meter Kurilengraben
8 Galatheatief 10.540 Meter Philippinengraben
9 Cape-Johnson-Tiefe 10.497 Meter Philippinengraben
10 Emdentief 10.400 Meter Philippinengraben


Die „Emden III" setzte ihre Fahrt fort über mehrere japanischen Häfen von Nagasaki bis Yokohama und fuhr dann in Richtung Alaska weiter. Nach einer bis dahin über 20.000 Seemeilen langen Reise ging es vom nördlichsten Hafen der Reise, Skagway, weiter in südliche Richtung entlang der Westküste Amerikas.

Nach Seattle war der mexikanische Hafen Nazatlan die nächste Station, dann weiter nach Panama. Der Kanal wird jedoch nicht durchfahren. Es geht weiter in Richtung Süden. Häfen in Ecuador, Peru und Chile wurden angelaufen und anschließend das Kap Hoorn umfahren. Nach einem Besuch Rio de Janeiros ging es über die Azoren-Inseln und Spanien zurück nach Deutschland. Am 14. März 1928 war diese erste Weltreise nach einem Jahr und vier Monaten beendet, das Schiff lief den Heimathafen Wilhelmshaven an.

Route der ersten Ausbildungsreise des Leichten Kreuzers Emden

Ein Dank

Der in Emden lebende Wolfgang Schumann gab ins freundlicherweise die Erlaubnis, seinen Text zu übernehmen.
Entdeckt hat ihn unser Mitglied Werner Fischbach
.
Fast zur gleichen Zeit stieß unser Mitglied Olaf Lemke auf einen fast identischen Text.