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(© Hardy Brackmann)


Der Film hatte am 29. Januar 2012 Premiere im Kino. Er wird aber auch im Fernsehen gezeigt. Erstmals am Freitag, 18. April 2014 im Ersten Deutschen Fernsehen.

Zum Inhalt des Films:
Eine unglaubliche Odyssee vom Indischen Ozean über Sumatra, durch die Wüsten Arabiens und der Türkei bis in die Heimat nach Deutschland: "Die Männer der Emden" ist eine Abenteuergeschichte nach einer wahren Begebenheit.
1914, das erste Jahr des Ersten Weltkriegs. Der kleine Kreuzer "Emden" der kaiserlichen deutschen Marine hat es in wenigen Monaten geschafft sich durch List, Taktik und Fairness gegenüber den Gegnern einen Ruf bei Freund und Feind zu machen. "Gentlemen of War" nennen sie selbst britische Zeitungen.
Während ein Landungszug von fünfzig Mann auf einem winzigen englischen Atoll im Indischen Ozean damit beschäftigt ist, eine Telegraphenstation zu zerstören, wird die Emden vor ihren Augen von einem australischen Zerstörer gestellt – und versenkt.
Die Männer der Emden auf der Insel wagen das schier Unmögliche. Unter der Leitung von Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke (Sebastian Blomberg) und zwei Offizieren (Ken Duken und Jan Henrik Stahlberg) kapern sie ein verrottetes Segelschiff und versuchen, sich nach Deutschland durchzuschlagen. 13.000 Kilometer über Wasser und Land.
Unterwegs verweigert das neutrale niederländische Sumatra die erbetene Hilfe. Also wieder raus auf die hohe See durch alle feindlichen Linien! Ein deutsches Handelsschiff wird geentert und zur Tarnung als italienisches Schiff „umdekoriert“. Schließlich gelingt die Landung an der Küste Arabiens.
Auf einem gewaltsamen Marsch durch die Wüste geraten die Männer in einen Hinterhalt räuberischer Beduinen. Die ersehnte Heimat scheint auf einmal unerreichbar.


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Interview mit Regisseur Berengar Pfahl

Frage: Der Erste Weltkrieg wird filmisch gesehen im Vergleich zum Zweiten Weltkrieg eher vernachlässigt. Was hat Sie bewogen, dieses Thema zu einem großen Film zu machen?
Berengar Pfahl: Mich hat besonders interessiert, dass diese Zeit ähnlich wie heute eine Zeit der Umbrüche war; eine Zeit der Industrialisierung, der Erfindungen, des geisteswissenschaftlichen Aufbruchs. Das alles hatte eine Umwälzung der Gesellschaft zur Folge – sehr unvollkommen noch, aber es war das Ende eines langwährenden Ständestaates. Hier wurden allerdings auch die Wurzeln der NS-Diktatur geschaffen, deren schmerzhafte Wirkung bis in die Gegenwart reicht.

?: Wie ist das Gewicht zwischen historisch verbriefter Wirklichkeit und filmischer Freiheit?
Pfahl: Ich habe mich beim Drehbuch zunächst am Tagebuch der Hauptfigur unseres Films, Hellmuth von Mücke, dem Kommandanten des Landungszuges, orientiert. Allerdings musste ich auch andere Quellen zu Rate ziehen, denn dieses Tagebuch war ein für die Öffentlichkeit redigiertes Tagebuch. Zudem waren existierende Lücken der Geschichte fiktional auszufüllen. Zusätzlich habe ich den handelnden Hauptfiguren (außer „Hellmuth von Mücke“) fiktionale Namen und Charaktere zugeordnet, denn hier war die Quellenlage dürftig. Aber im Großen und Ganzen orientiert sich unsere Geschichte an historisch verbrieften Quellen.

?: Die Männer der Emden wurden bei ihrer Rückkehr als Helden gefeiert. Sind sie das heute immer noch?
Pfahl: Mit dem Begriff „Helden“ habe ich Schwierigkeiten. Es liegt nahe, bei einer Geschichte, wo es um das Überleben von 50 deutschen Marinesoldaten geht, die sich aus dem Indischen Ozean bis nach Deutschland durchschlagen, von „Helden“ zu reden. Insofern spielt das Thema Helden, Heldentum und falsche Helden und falsches Heldentum in dem Film eine große Rolle. Die Nationalsozialisten haben diese Geschichte propagandistisch missbraucht und die Männer der Emden als „Deutsche Helden“ dem damaligen Publikum vorgeführt, um den in den Zweiten Weltkrieg ziehenden Soldaten Vorbilder zu schaffen.
Die Männer der Emden hatten nach überstandener Odyssee von dieser Art Heldentum längst die Nase voll. Der Führer des Landungszuges, Hellmuth von Mücke, wandte sich 1956 vehement gegen die Wiederbewaffnung der Bundeswehr. Er hat seinen Sohn – der heute noch lebt – dazu angeleitet, den Wehrdienst zu verweigern. Also, viele dieser „Helden“ zogen mit „Hurra-Patriotismus’ in den Krieg. Aber das wandelte sich im Laufe des Krieges sehr schnell. Es war eben nicht nur ein Ausflug von vier Wochen. Es folgte die furchtbare Erfahrung eines Krieges, der so noch nie stattgefunden hatte, weil der sich erstmals der massenvernichtenden Hochtechnisierung bediente. Darum ist es eine Anti-Helden-Geschichte, die sich auf anderen Ebenen abspielt – auf den menschlichen Ebenen, auf der humanistischen Ebene. Wenn 50 Leute sich nach Deutschland zurückkämpfen müssen, dann können sie das nur schaffen, wenn sie zusammenhalten. Sie können nur überleben, wenn einige die Kraft aufbringen, in Momenten der Schwäche einen Weg zu finden, wo es weiter geht.

?: Und wer ist denn Ihr ganz persönlicher Held in diesem Film?
Pfahl: Der dramaturgische Held in der Story, das ist sicherlich der Hellmuth von Mücke, der Kommandant des Landungszuges, der trotz innerer Zweifel, trotz innerer Schwächen und auch dann und wann Mutlosigkeit, es immer wieder geschafft hat, seinen 50 anvertrauten Leuten Mut zu machen und sie dann schließlich und endlich tatsächlich erfolgreich mit wenigen Ausnahmen in die Heimat zubringen.

?: Der Film benutzt opulente Bilder, wie man sie von Ihren früheren Filmen her noch nicht so kennt.
Pfahl: Diese Geschichte, die auf dem Indischen Ozean beginnt, die in die unendlichen Wüsten Saudi Arabiens führt, die auf Sumatra im Dschungel und am Strand von Jemen spielt, diese Geschichte bedarf allerdings anderer Bilder und anderer Ausdrucksformen als eine Geschichte, die wie „Britta“ rund um den Bahnhof von Harlesiel in Ostfriesland angesiedelt ist. Es ist eine Geschichte, die ich so noch nie erzählt habe und die darum Bilder für die große Leinwand braucht.

?: Sie haben unter verschärften Bedingungen gedreht, in Tunesien sogar zum Zeitpunkt des Ausbruchs der Revolution. Inwiefern hat das Dreharbeiten beeinflusst oder gar beeinträchtigt?
Pfahl: Zum Thema „Tunesische Revolution“: Ich war in diesem Moment als Produzent und weniger als Regisseur gefragt: Ist das zu verantworten, ist da die Sicherheit noch gegeben? Insofern haben wir dann zunächst einmal unsere erfahrenen Mitarbeiter vorweg geschickt, um die Lage zu erkunden. Als ich das grüne Licht bekam, war das Thema Sicherheit zunächst einmal entschieden. Es kamen dann allerdings die Schwierigkeiten der Einreise hinzu. Wenn man sich vorstellt, dass wir mit historischen Waffen, also mit wassergekühlten Maschinengewehren, urtümlich aussehenden Geschützen, Karabinern und Säbeln vor dem Zoll von Tozeur standen, merkten wir bald, dass es sich um Praktika-Studenten handelte; die Zöllner waren alle davongejagt oder davongelaufen. Insofern standen diese Studenten, denen jetzt so plötzlich die Einreiseformalitäten übertragen waren, vor der Schwierigkeit, uns die Einreise in ein Land, wo gerade eine Revolution stattfand, zu erlauben. Dass wir selbstverständlich Dekorationswaffen-Zertifikate mit uns führten, das alles konnte man den Studenten, die mehr aufgeregt als effizient waren, zunächst nicht vermitteln. Dass dann schließlich der Film doch zustande kam, hatten wir unseren tunesischen Mitarbeitern zu verdanken, die mit viel Überzeugungsarbeit und langen arabischen Wortgefechten unsere Einreise möglich machten – wenn auch mit Verzögerung.

?: Mit einer Stamm-Crew von 60 Personen und lokalen Crews von über 100 Mitgliedern auf Reisen zu gehen – durch, ich glaube, zwei Kontinente und fünf Länder – wie löst man ein solches logistisches Problem?
Pfahl: Das Ganze würde als Antwort ein längeres Seminar benötigen. Aber kurz gesagt: Wir haben durch unsere früheren Produktionen, die sich ganz besonders mit Geschichten im Ausland beschäftigen, eine große Erfahrung mit Reiselogistik. In diesem Falle mussten wir allerdings in unserer Firma ein eigenes kleines Reisebüro etablieren. Aber das Reisen war noch das Einfachste. Es ging vielmehr besonders um den Transport des Gerätes, den Transport der Kostüme, der Requisiten, der Ausstattungsgegenstände. Und das war ein herausforderndes logistisches Thema: Zum richtigen Zeitpunkt die richtigen Container an der richtigen Stelle zu haben und das Ganze als ein Riesentross mit Querverbindungen und Querwegen. Ein Film für sich.

?: Wie viel Zeit wurde für die Vorbereitung eingeplant, also sozusagen von der Idee bis zum ersten Drehtag benötigt?
Pfahl: Von der Idee bis zum ersten Drehtag sind ca. zwei Jahre vergangen. In den zwei Jahren wurde zunächst einmal recherchiert, wurde die Geschichte, die von verschiedenen Seiten zu beleuchten war, niedergeschrieben. Aber par-allel wurde schon kalkulatorisch/organisatorisch gearbeitet: Wie kann man möglichst effizient mit möglichst wenig Reisen diesen Film realisieren, um das Geld, das vorhandene Kapital nun wirklich auch vor die Kamera zu bringen und nicht hinter der Kamera irgendwo zu versenken. Das Ganze ist uns doch ganz gutgelungen und insofern haben sich dann diese zweijährigen Vorbereitungen, die auch der Logistik galten, gelohnt. Ob es sich auch inhaltlich gelohnt hat, muss der Zuschauer entscheiden.


(© Hardy Brackmann)


Besetzung (Auszug):
Sebastian Blomberg (Hellmuth von Mücke)
Ken Duken (Karl Overbeck)
Jan Henrik Stahlberg (Friedrich von Schulau)
Oliver Korittke (Ullrich Kluthe)
Sibel Kekilli (Salima Bey)
Felicitas Woll (Maria von Plettenberg)
Michael Lott (Matrose Hilgert)
Norman Schenk (Matrose Mahnert)
Peter Sodann (Generaloberst von Leutenburg)
Wolfgang Winkler (Dr. Bartel)
Robert Glatzeder (Matrose Norget)
Chiem van Howeninge (Hafenkapitän van Ommen)

Regie: Berengar Pfahl
Buch: Berengar Pfahl, Axel Ricke, Martin Hennig
Produzent: Berengar Pfahl
Koproduzent: Hans-Wolfgang Jurgan
Herstellungsleitung: Ingrid Wagner
Kamera: Erich Maria Krenek
Szenenbild: Pierre Pfundt
Kostüm: Heidrun Hermes
Maske: Katharina Gütter
Schnitt: Annemarie Bremer
Ton: Udo Steinke
Musik: Matthias Raue

"Die Männer der Emden" ist eine Produktion von Berengar Pfahl Film GmbH in Co-Produktion mit der ARD Degeto, gefördert von der Film- und Medienstiftung NRW, dem Deutschen Filmförderfonds DFFF, dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der Malta Film Commission. Filmverleih: Kinostar Filmverleih GmbH

Drehorte:
Griechenland: Im Hafen von Piräus liegt das Museumsschiff ‚Averof’, ein gut erhaltenes Kriegsschiff aus der Zeit um 1914. Die ‚Averof’ diente als Kulisse für enggefasste Szenen auf der ‚Emden’.
Sri Lanka: Hier hat Berengar Pfahl Film viele Filme gedreht, hier fühlt sich das Team zu Hause. Der Indische Ozean, Cocos Islands, Padang auf Sumatra, der Strand vom Jemen – die Blau-Wasser-Motive des Films wurden hier gefunden.
Tunesien: Tozeur und Nefta, kleine Städte am Rande der Sahara, fügen sich mit ihrer historischen Architektur bestens in das Ausstattungskonzept und sind logistisch ein hervorragender Ausgangspunkt für Szenen in der unendlichen Wüste.
Malta: Ein riesiger Wassertank von den Ausmaßen mehrerer Fußballfelder bietet in Malta die Möglichkeit, einen Tropensturm mit Wellen, Sturm und Regen auf einem 1:1-Schiffsmodell zu inszenieren.
Deutschland: Ein Saal im (zerstörten) Hohenzollern-Schloss in Berlin findet in der zeitgemäß renovierten Wuppertaler Stadthalle (Baujahr 1896) einen historisch korrekten Rahmen.